Cuyo Island erleben

Meine Tage auf Cuyo pendeln sich ein und ich gewöhne mir einen entspannten Rhythmus an. Gegen 8 Uhr stehe ich auf und frühstücke in Ruhe. An manchen Tagen laufe ich danach zum Markt, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Am späten Vormittag mache ich mich mit meinem Equipment auf den Weg zum Strand und treffe dort am Kite Spot einige von den anderen Kitesurfern. Je nach Wind und Wasserstand (Ebbe und Flut wechseln im Laufe des Tages 2 Mal) mache ich mich gleich ans Aufbauen meines Kites und starte zur ersten Session des Tages oder ich lasse es erst mal gemütlich angehen, beobachte das Treiben auf dem Wasser, quatsche mit den anderen Kitern oder entspanne ein bisschen im Schatten. Am späten Nachmittag mache ich mich auf den Rückweg zu meiner Unterkunft, wasche am Brunnen mein Material mit Süßwasser ab und genieße eine kalte Dusche um mich vom Salzwasser, Sand und Sonnencreme zu befreien. Die Abende verbringe ich meistens bei „Nikki’s“, treffe dort die anderen Kiter und wir genießen den Sonnenuntergang, die warme Luft und ein paar kühle Drinks.

Die ersten Kite Sessions auf Cuyo verbringe ich damit, mich ans Material zu gewöhnen, den Spot kennen zu lernen und meine Abläufe zu routinieren. Zuletzt bin ich Anfang Oktober am Brombachsee in der Nähe von Nürnberg gekitet und bin unheimlich froh, endlich wieder auf dem Wasser sein zu können. Die Atmosphäre ist toll, der Spot ist riesig, das Wasser ist glasklar und warm, Sonne und Wind tun ihr übriges. Bald fange ich an, mich an ein paar neuen Sachen zu probieren. Carving Turns, bei wenig Wind versuche ich mich sogar an einem Downloop. Nach ein paar Tagen fange ich mit ersten Sprüngen an und es macht unheimlich viel Spaß. Ich freue mich über jeden Erfolg auf dem Wasser und versuche meinen Ehrgeiz ein bisschen im Zaum zu halten, denn waghalsige Manöver können hier im Flachwasser auch mal schmerzhaft enden und das möchte ich auf jeden Fall vermeiden. Wenn mir nach 2 oder 3 Sessions die Kraft ausgeht, suche ich mir am Strand ein schattiges Plätzchen und beobachte die anderen Kiter, die auf der Offshore Seite der Sandbank waghalsige Tricks und Sprünge zeigen, was schon beim Zuschauen Freude macht.

In das Appartement rechts neben mir zieht Michael ein, ein Thüringer aus Leipzig … die Welt ist manchmal echt ein Dorf. Im dritten Appartement wohnen Priscilla und Etienne, die beide in Australien leben. Wir verstehen uns super gut und laden an einem Abend einige der anderen Kiter zu uns ein. Priscilla und Etienne kochen ein super leckeres vegetarisches Curry und über einem kleinen Feuer grillen wir dazu noch 2 Fische. Es ist ein super schöner entspannter Abend mit tollen Leuten und leckerem Essen.

Nach etwa 10 Tagen auf Cuyo schließe ich mich einer Gruppe von 10 Kitern an, die gemeinsam zum „Secret Beach“ fahren wollen, ein ziemlich versteckter Strand im Norden der Insel, von wo man einen 7 km langen Downwinder zurück nach Capusan Beach machen kann. Wir organisieren sogar ein Trike, um das ganze Kitematerial transportieren zu können. Auf dem Weg zum „Secret Beach“ verfahren wir uns 3 oder 4 Mal und als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, finden wir zum Glück doch noch den richtigen Weg. Mit den Mopeds kommen wir irgendwann nicht mehr weiter und müssen unser ganzes Material noch 15 Minuten bis zum Strand tragen. Es ist ein wahres Abenteuer zum „Secret Beach“ zu gelangen, aber es lohnt sich. Der Spot ist traumhaft schön und ich kann das allererste Mal in Wellen kitesurfen, was mir unheimlich gut gefällt. Wir verbringen den ganzen Nachmittag am Secret Beach, entspannen zwischen 2 Sessions am Strand und genießen die Abgeschiedenheit. Einige von uns starten mit den Kites zum Downwinder nach Capusan, der Rest tritt den Rückweg mit den Mopeds an. Für mich ist das der bisher schönste Tag auf Cuyo!

Ich liebe die traumhaften Sonnenuntergänge auf Cuyo. Jeder Sonnenuntergang ist anders und wenn ich an einem Abend denke, ich habe nun den schönsten gesehen, werde ich am nächsten Abend eines Besseren belehrt. Wenn am Abend noch genug Wind ist, bin ich bis zum Einbrechen der Dunkelheit mit dem Kite auf dem Wasser und genieße den traumhaften Anblick während eine Sunset Session, was unglaublich schön ist.

Ich freue mich über die Bekanntschaft zu Angel, die mir vieles auf der Insel zeigt, mich Abends mehrfach zum Dinner bei Ihrer Familie einlädt und mich mit ihrer herzlichen Art begeistert. Wir schauen einige Sonnenuntergänge gemeinsam an und Angel macht unglaublich tolle Fotos. Zum Geburtstag des Bürgermeisters hängen an den Straßen überall Plakate mit Glückwünschen. Angel erzählt mir, dass am Abend zu Ehren des Bürgermeisters ein traditioneller Hahnenkampf ausgetragen wird und bietet mir an, dass wir uns das gemeinsam anschauen. Gesagt, getan und wir düsen mit dem Moped nach Einbruch der Dunkelheit zur „Cockfight Arena“. Ich bin am Anfang erstmal sprachlos. Gefühlt hat sich ganz Cuyo hier versammelt, die Arena ist voll, es herrscht ein lauten Treiben. Irgendwie ist es spannend, so etwas live zu sehen, aber ich habe auch Mitleid mit den Tieren, die unter lautstarken Anfeuerungsrufen der Zuschauer einen erbitterten Kampf bis zum Tod des schwächeren Kontrahenten austragen. Irgendwie bin ich froh, als wir wieder aufbrechen, in Gedanken begleitet mich das Schauspiel noch eine Weile. Im Laufe meiner Tage auf Cuyo Island komme ich immer wieder mit Gebräuchen und Traditionen in Berührung, die mir neu sind. Das dabei nicht jede Erfahrung angenehm ist, das gehört zum Reisen in ferne Länder wohl dazu und ich versuche, mich daran zu gewöhnen.


4 Kommentare zu „Cuyo Island erleben

  1. Christine Häßelbarth 12. März 2018 — 8:58

    Tolle Erlebnisse,wunderschöne Bilder! Das Lesen Deiner Berichte ist ein Genuss. Es muss herrlich sein,jeden Tag Sonne,Wind,Wasser und die ungewohnte Atmosphäre auf sich wirken zu lassen und spüren zu können. Danke für den 4. Bericht. Du warst echt fleissig!
    Deine mum

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  2. Simon und Katha 12. März 2018 — 9:15

    So viele Erlebnisse wunderschön zu hören. Lass es dir weiterhin so gut gehen.

    Simon und Katha

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    1. Ich danke euch! Werde weiterhin berichten.

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  3. Martina Bochmann 12. März 2018 — 11:23

    Toll, Romy!!!!!!!!!!!!:O)))

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