Nichts ist für die Ewigkeit

Natürlich herrscht auf so einer Reise nicht immer nur eitler Sonnenschein. Ich möchte auch über die unschönen Momente berichten, die mich vor Herausforderungen stellen und so manches Problem, was ich Zuhause im Handumdrehen lösen könnte, wird am anderen Ende der Welt auch schon mal zur Geduldsprobe.

Gleich am Anfang meiner Reise entdecke ich plötzlich ein Loch an der Unterseite meines Kitebags. Das Obermaterial und auch die darunter liegende Polsterschicht ist aufgeschnitten, wahrscheinlich ist die Kitetasche am Flughafen in Riad oder Manila beim Verladen irgendwo hängen geblieben. Leider befindet sich das Loch unterhalb von einem Gurt, der um das Kitebag geschnallt wird und dadurch wird beim Anheben immer Zug auf diese Stelle ausgeübt. Deshalb habe ich Sorge, dass das Loch schnell größer werden wird und im schlimmsten Fall irgendwann mein Board nicht mehr richtig geschützt ist. Auf Cuyo bringe ich mein Kitebag zur Kiteschule, weil ich gehört habe, dass der Kite Instructor Jing Kites repariert. In der Hoffnung, dass er auch für beschädigte Kitebags eine Lösung parat hat, zeige ich ihm meine beschädigte Kitetasche, doch er kann mir leider nicht weiter helfen. Er empfiehlt mir, dass ich im Ort zu einer Näherei gehe. Gesagt, getan und ich klappere tatsächlich vier verschiedene Nähereien ab, ernte aber auf mein Anliegen leider immer nur Kopfschütteln oder eine unverständliche Mischung aus Englisch und Tagalog, womit man mir sagen will, dass die Tasche nicht unter die Nadel der Nähmaschine geführt werden kann und die Reparatur leider nicht möglich ist. Aller Ärger nützt gar nichts, weil das meine Tasche auch nicht wieder ganz macht und so kaufe ich kurzentschlossen ein stabiles Nylongarn und mache mich mit Nadel und Faden selbst ans Werk. Besonders schön ist das Ergebnis nicht, aber das Loch ist verschlossen und ich bin zufrieden. Die Rolle Nylongarn kommt natürlich ab sofort mit in mein Gepäck, denn ich bin sicher, dass wird nicht der letzte Schaden gewesen sein.

Als ich mich entschließe, ein Moped auszuleihen, bin ich anfangs etwas unsicher. Zuhause bin ich sehr viel mit dem Auto unterwegs, für ein Zweirad habe ich aber nicht mal einen Führerschein und war bisher immer nur Beifahrer. Priscilla und Etienne, das Pärchen im Appartement nebenan, haben einen automatischen Scooter und ich fahre damit ein bisschen durch Cuyo, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Da ich nicht schalten muss, komme ich sofort gut zurecht und entscheide mich, dass ich den Scooter von den beiden übernehme, weil sie am nächsten Tag abreisen. Die Miete für den Scooter kostet 300 Peso am Tag (ca. 5 EUR). Abends komme ich bei „Nikki’s“ mit dem Schweizer Beat ins Gespräch, der seit Jahren regelmäßig die Wintermonate auf Cuyo verbringt. Er erzählt mir, dass er neben seinem eigenen noch ein zweites Moped hat, was er für 200 Peso am Tag verleiht. Da sein Moped außerdem einen Gepäckträger Marke „Eigenbau“ hat, um das Kiteboard transportieren zu können, bringe ich den automatischen Scooter zurück und hole mir das Moped von Beat, was jedoch halbautomatisch ist und eine Gangschaltung hat. Die Bedienung ist kein Hexenwerk und nach einer Probefahrt mit Beat düse ich schon allein über die Insel und fühle mich pudelwohl. Leider nicht sehr lange … am nächsten Tag will ich mich mit Julia und Janning zu unserem gemeinsamen Trip nach Alcoba Island treffen und will voll beladen das Grundstück verlassen. Die Ausfahrt zur Straße geht ein bisschen bergauf und das große Tor lässt sich nur mühsam öffnen und schließen und klemmt immer ein wenig. Als ich also vollgepackt mit dem ganzen Kite Equipment und Verpflegung auf die Straße fahre und mich auf dem Moped nach hinten lehne, um das Tor zu schließen, verliere ich für einen kurzen Moment die Kontrolle und dann ist es auch schon zu spät. Weil alles so schnell geht, kann ich gar nicht mehr richtig wiedergeben, was eigentlich passiert ist, jedenfalls rauscht das Moped unter mir davon, knallt auf der gegenüberliegenden Straßenseite gegen die Wand und landet dann im Graben. Irgendwie bin ich vom Moped runter gerutscht oder gesprungen und stehe mit wackeligen Knien mitten auf der Straße. Der Krach lockt natürlich gleich mehrere Leute an, aber ich bin froh über die Hilfe und wir bugsieren das Moped zurück auf den Hof und ich muss mich erst mal setzen und beruhigen. Ich selbst bin zum Glück mit ein paar blauen Flecken und Schürfwunden davon gekommen und so richtig wird mir das erst Tage später bewusst. Ich ärgere mich über den Schaden am Moped. Es fährt noch, aber hat ganz schön was abbekommen und sieht ziemlich ramponiert aus. Was mich jedoch am meisten trifft: ich hatte mein Kiteboard auf dem Gepäckträger befestigt und das ist natürlich auch gegen die Wand geknallt und hat an einer Ecke einen ziemlich großen Schaden. Nachdem ich mich beruhigt habe, laufe ich mit Sack und Pack zur Kiteschule und bitte Jing darum, ob er sich mein Board ansehen kann. Das Brett wird innerhalb von 24 Stunden repariert und hat jetzt leider einen optischen Makel, aber ich betrachte es als Souvenir von Cuyo und versuche mich nicht mehr so sehr darüber zu ärgern. Erst will ich den Trip mit Julia und Janning absagen, aber letztendlich schnappe ich mir ein Leihboard von der Kiteschule und begleite die beiden, was mich zum Glück auf andere Gedanken bringt. Als wir von Alcoba zurückkommen, beichte ich Beat meinen Unfall und bin froh, dass er sehr gelassen und verständnisvoll reagiert. Wir bringen das Moped zusammen zu einer kleinen Werkstatt in Cuyo, wo es erst mal notdürftig „geflickt“ wird. Mit einem mulmigen Gefühl behalte ich das Moped für die nächsten Tage und bin letztendlich froh, dass alles irgendwie gut ausgegangen ist. Mir ist nichts Schlimmeres passiert und die Erfahrung lässt mich zukünftig mit Sicherheit noch vorsichtiger sein.

Auf der Rückfahrt von Alcoba Island fliegt leider mein Basecap davon. Wir kehren mit dem kleinen Fischerboot kurz um, aber leider fehlt jede Spur und wir setzen unsere Rückfahrt nach Cuyo fort. Das Basecap hatte ich mir vor meiner Reise extra im Internet bestellt und habe es auf Cuyo als Schutz vor der Sonne auch jeden Tag getragen. Ich ärgere mich über den Verlust, besonders weil ich immer gut darauf aufgepasst habe und nur einen Moment keine Hand freihatte, um das Cap festzuhalten. Am nächsten Tag bummle ich in Cuyo zum Kleidermarkt und kaufe mir für 120 Pesos (ca. 2 EUR) ein neues Cap.

Beim Start meiner Reise verpacke ich mein Necessaire mit Fingernagelschere, Nagelfeile und Pinzette extra im Kitegepäck, weil die Nagelschere im Handgepäck sicher Probleme bereiten würde. Bei der Weiterreise von Manila über Singapur nach Perth bin ich leider nicht so schlau und lasse das Necessaire in meinem Kulturbeutel, den ich immer im Rucksack (Handgepäck) verstaue. Bei der Gepäckkontrolle in Manila interessiert sich niemand dafür, aber im Transferbereich am Flughafen in Singapur wird mir tatsächlich die Nagelschere abgenommen. Zum Glück habe ich ein gutes Taschenmesser dabei, was auch eine Schere hat und wenigstens war das Messer im Kitegepäck und nicht im Handgepäck!

Ich glaube, jeder kennt solche Situationen. Der Ärger ist oft riesengroß, auch wenn das in dem Moment rein gar nichts an der Misere ändert. Noch fällt es mir schwer, solche Dinge gelassener zu sehen, aber ich arbeite an mir und besonders der Unfall mit dem Moped hat mir diesbezüglich die Augen geöffnet. Unsere Gesundheit und Unversehrtheit ist immer das allerwichtigste. Das Moped kann repariert werden und auch das Board fährt sich trotz kleinem Makel genauso wie vorher. Wäre mir etwas Schlimmeres passiert, so hätte ich womöglich die Reise abbrechen müssen oder hätte am anderen Ende der Welt im Krankenhaus gelegen und wer will das schon. Deshalb mache ich einen Haken an dieses Erlebnis und bin froh, dass ich mit dem Schrecken davon gekommen bin.

 

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