Australien, ich komme!

Ich habe es schon in meinen ersten Tagen auf Cuyo gespürt, dass mir der Abschied von dieser Insel sehr schwer fallen wird. Nach 3 Wochen verlasse ich Cuyo am 9. März 2018 mit der Fähre nach Puerto Princesa, um anschließend von dort nach Manila zu fliegen.

Meine Kite Ausrüstung verpacke ich bereits am vorletzten Tag auf Cuyo, weil das doch einige Zeit in Anspruch nimmt und ich das große Kite Gepäck gut für die Weiterreise nach Australien vorbereiten möchte. Meine Fähre nach Puerto Princesa geht erst um 15 Uhr, sodass ich am Abreisetag noch Zeit habe, um ein letztes Mal am Capusan Beach schwimmen zu gehen und mich von denjenigen zu verabschieden, die mir in den letzten Tagen ans Herz gewachsen sind.

Das meine Fähre pünktlich um 15 Uhr vom Steg ablegt, grenzt quasi an ein kleines Wunder, denn das passiert so gut wie nie. In den letzten 3 Wochen habe ich die verrücktesten Geschichten über Erlebnisse mit den Fähren auf den Philippinen gehört. Sobald das Wetter etwas unbeständig wird, verspäten sich die Fähren oder fallen sogar komplett aus. Da die Boote alle schon ziemlich alt sind, werden die Überfahrten auch oft wegen technischer Probleme gecancelt. Manche von den Kitern verbrachten bei der Anreise nach Cuyo sogar mehrere Tage auf der Fähre, weil diese wegen Wind und Wellen auf halber Strecke an einer anderen Insel verweilen musste.

Ich suche mir ein freies Bett auf der Fähre in der „Deluxe“ Klasse und genieße beim Ablegen die letzten Ausblicke auf Cuyo und etwas später einen wunderbaren Sonnenuntergang. Auf dem Schiff sind außer mir nur Locals und ich komme immer mal wieder mit jemandem ins Gespräch, weil alle neugierig sind, woher ich komme und wohin mich meine Reise verschlägt. Ein guter Tageslohn für einen Filipino liegt bei 300 Peso (etwa 5 EUR). So gern wie auch die Filipinos mehr von unserer Welt sehen würden, rein finanziell ist das für die allermeisten schlicht und einfach nicht möglich.

Wir haben eine ruhige See, sodass die Nacht schnell vergeht und ich gut schlafen kann. Ich stehe schon zeitig auf, weil sich der Sonnenaufgang am Horizont ankündigt und ich werde nicht enttäuscht. Der Anblick der aufgehenden Sonne über der Sulusee ist traumhaft schön. Wir sind bereits über 15 Stunden unterwegs und ich rechne eigentlich mit einer baldigen Ankunft in Puerto Princesa. Weil Palawan aber noch nicht so richtig in Sicht ist, frage ich bei einem der Besatzungsmitglieder nach. Er nimmt mich mit nach vorn in die Steuerzentrale und ich begutachte neugierig die ganzen Instrumente. Auf meine Frage, wie lange wir noch bis nach Puerto Princesa brauchen, ernte ich erst mal ein etwas verlegenes Grinsen. Letztendlich bekomme ich die Auskunft, dass wir gegen 10 Uhr in den Hafen einlaufen werden mit der Begründung „this boat is slow … and old“. Okay … mit 19 Stunden Überfahrt hätte ich nicht gerechnet. Am Ende kommen wir sogar erst um 11 Uhr in Puerto Princesa an und nach 20 Stunden bin ich dann doch irgendwie froh, endlich von Bord gehen zu können.

Weil mein Flug nach Manila erst am Abend geht, bringe ich mein Gepäck zum Flughafen und netterweise darf ich es am Air Asia Schalter deponieren. Ich lasse mich mit einem Tricycle zum Beach Club Blue Palawan bringen und verbringe dort ein paar Stunden in der Sonne. Der Inlandsflug nach Manila geht reibungslos von statten und landet sogar 20 Minuten früher als geplant. Keine Passkontrolle, Gepäck steht schon da, nicht mal 10 Minuten nach Verlassen des Flugzeugs bin ich schon im Taxi, verrückt. Glücklicherweise geht diesmal auch die Fahrt zum Z Hostel deutlich schneller, worüber ich nach den vielen Stunden seit meiner Abreise in Cuyo richtig froh bin. Im Hostel bin ich wieder im selben Zimmer wie vor 3 Wochen bei meiner Anreise. Nach einer erholsamen Nacht verbringe ich einen halben Tag damit, die gute Internetverbindung im Hostel zu nutzen und sortiere all meine Fotos und aktualisiere endlich meinen Blog.

Für den Nachmittag bin ich mit Angel verabredet. Wir hatten uns bereits auf Cuyo kennengelernt und sie hatte mir schon bei ihrer Abreise angeboten, dass wir uns in Manila treffen können und sie mir die Altstadt Intramuros zeigt. Angel holt mich sogar im Hostel ab und ich freue mich riesig darüber, sie wieder zusehen! Wir machen uns mit dem Taxi auf den Weg nach Intramuros und bummeln den ganzen Nachmittag durch die alten Gemäuer und schauen uns alles in Ruhe an. Während der spanischen Kolonialzeit auf den Philippinen war dieser Stadtteil der Sitz der spanischen Kolonialverwaltung. Einige der Gebäude zeugen noch heute davon. Innerhalb von Intramuros befindet sich die Festung Fort Santiago, die 1570 als Zufluchtsort gegründet wurde. 1762 wurde Intramuros Schauplatz der Schlacht um Manila. Die Festung wurde schwer beschädigt, konnte jedoch wieder instand gesetzt werden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Intramuros weitgehend zerstört, einige Bauten wurden restauriert, aber viele Gebäude sind in einem sehr schlechten Zustand und die Kriegsschäden sind sehr oft noch sichtbar.

Angel hat für meinen Abschied extra ein besonderes Dinner mit einer Vorführung von traditionellen Tänzen gebucht. Ich bin total begeistert von der Aufführung und dankbar für diesen schönen letzten Tag und den unvergesslichen Abend in Manila.

Noch mitten in der Nacht mache ich mich am 12. März auf den Weg zum Flughafen in Manila und fliege mit Scoot Airlines über Singapur nach Perth. Wieder begleitet mich die Sorge um mein Gepäck, aber zum Glück wird alles problemlos angenommen. Meine letzten Pesos investiere ich in ein Müsli und einen Frappuccino bei Starbucks. In Singapur habe ich einige Stunden Aufenthalt, der Flughafen ist riesig, im Transitbereich gibt es mehr Geschäfte als in jeder Shopping Mall. Zum Glück gibt es gutes Internet und ich kann die Zeit sinnvoll nutzen.

Am 13. März lande ich pünktlich um 20.00 Uhr in Perth und kann es kaum fassen, dass ich tatsächlich in Australien bin. Ich hole mir eine lokale Simkarte und tausche das erste Mal Euro in Australische Dollar (Kurs: 1 EUR = 1,59 AUD). Dann versuche ich mittels der App „Uber“ ein Taxi zu bestellen, was leider nicht funktioniert. Weil ein normales Taxi bis zu meinem Hotel ca. 50 AUD Dollar kosten würde, entscheide ich mich dafür, trotz der späten Uhrzeit mit dem Bus zu fahren. Der Busfahrer vom Airport Shuttle ist super nett und erklärt mir, bis wohin ich mitfahren und in welchen Bus ich dann umsteigen muss. Letztendlich lande ich gut 1,5 km von meinem Hostel entfernt und müsste eigentlich nochmal umsteigen, aber es fährt kein Bus mehr. Ein junges Pärchen, was ich auf der Straße anspreche, um den Bus zu finden, hilft mir letztendlich sogar dabei, mein schweres Kite Gepäck ein ganzes Stück zu ziehen und 20 Stunden nachdem ich mich in Manila auf den Weg gemacht habe, lande ich todmüde aber glücklich über die Gastfreundlichkeit endlich in Mumma’s Hostel in der Aberdeen Street und freue mich auf die erste Nacht in Australien.

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