Findungsphase in Perth

In meiner ersten Nacht in Mumma’s Hostel schlafe ich leider nicht besonders gut. Seit einigen Tagen quälen mich Ohrenschmerzen und ein Anflug einer Erkältung. Ich denke, die Klimaanlagen an den Flughäfen und in den Flugzeugen von Manila nach Perth haben ihr Übriges dazu beigetragen und leider läuft auch in meinem Zimmer im Hostel die Klimaanlage. Ich frühstücke in Ruhe und fahre dann mit dem kostenlosen CAT Bus (was ich in Perth total klasse finde) zum Swan River und verschaffe mir einen ersten Eindruck von Perth bei Tageslicht. Die Stadt gefällt mir unheimlich gut, es gibt viele historische und moderne Gebäude und der Anblick ist irgendwie besonders. Am Swan River kann man wunderbar spazieren gehen und fühlt sich trotz der Hochhäuser wie in einem Naherholungsgebiet. Ich mache mich auf die Suche nach einer Apotheke und besorge mir Tabletten gegen eine Erkältung, in der Hoffnung, dass mir das gegen die Ohrenschmerzen helfen wird. Auf dem Rückweg zu Mumma’s Hostel lese ich am Handy meine E-Mails und bleibe wie angewurzelt stehen. Lu & Martin, sehr gute Freunde aus der Heimat, sind auch seit einigen Wochen auf Reisen und haben mir eine E-Mail geschrieben, dass sie ihre Reisepläne in Asien ein wenig geändert haben und in zwei Tagen nach Perth kommen werden. Ich bin total perplex, weil ich nicht im Geringsten damit gerechnet hätte, ausgerechnet hier in Australien Freunde zu treffen. Wie verrückt ist das denn! Ich antworte den beiden und wir verabreden uns für ein baldiges Treffen in Perth, worauf ich mich riesig freue.

Weil ich nicht richtig fit bin, verbringe ich den Abend im Hostel und hole mir für die Nacht sogar eine zweite Bettdecke, damit die Erkältung wegen der Klimaanlage nicht noch schlimmer wird. Am nächsten Tag muss ich in Mumma’s Hostel auschecken, weil ich nur für zwei Nächte gebucht hatte und das Hostel für die kommende Nacht leider schon ausgebucht ist. Über die Platform Kitebnb (wie Airbnb, aber die Unterkünfte befinden sich in der Nähe von Kitespots) buche ich ein Zimmer in Rockingham (etwa 50 km südlich von Perth) am Kitespot „The Pond“ in der Safety Bay. Mit dem Bus und der Bahn würde ich ungefähr 1,5 Stunden bis zu meiner neuen Bleibe brauchen. Zu allem Übel fängt es plötzlich auch noch heftig an zu regnen. Als ich mich schon fast auf dem Weg zum Bus machen will, kommt dann doch alles anders. In der Facebook Gruppe „Perth Kitesurfing Gang“ hatte ich um Infos zu den lokalen Spots gebeten und bin dadurch mit Eric in Kontakt gekommen. Eric lebt in Perth und hatte mich auf meinen Facebook Post angeschrieben und angeboten, mich bei Gelegenheit mit an einen der Kitespot zu nehmen. Als ich ihm schreibe, dass ich mein Hostel verlassen muss und für die nächsten Tage ein Zimmer in Rockingham gebucht habe, bietet er kurzerhand an, dass wir mit seinem Auto fahren können und er mir vor Ort den Kitespot zeigt. Sicherheitshalber schicke ich ihm ein Foto von meinem großen Kitebag und frage ihn, ob das in sein Auto passt. Als er mir ein lachendes Smiley zurück schickt und antwortet, dass das überhaupt kein Problem sei, denke ich mir noch nichts dabei. Als er eine halbe Stunde später mit einem riesigen Jeep vorm Hostel steht, da muss ich selbst lachen. Auf die Ladefläche würde mein Kitegepäck wahrscheinlich fünf Mal drauf passen.

Auf der Fahrt nach Rockingham kommen wir super ins Gespräch, auch wenn ich mich an den australischen Dialekt tatsächlich erst gewöhnen muss. Eric bringt mich zu meiner neuen Unterkunft, ich habe ein kleines Zimmer in einer 4-Raum-Wohnung mit Küche und Bad. In den anderen beiden Zimmern wohnen Gabriel aus Neuseeland und Sylvi aus Kanada, die beide als Kitelehrer hier am Spot arbeiten. Nachdem wir mein Gepäck ausgeladen haben, zeigt Eric mir den Kitespot „The Pond“. Leider ist nicht genügend Wind, daher sind keine Kitesurfer auf dem Wasser und wir fahren ein ganzes Stück die Küstenstraße entlang, damit ich die Gegend kennenlernen kann. Wir machen immer mal wieder einen Stop und steigen aus, um die langen Strände und das Meer zu bewundern. Eric erzählt mir, dass man eigentlich immer Delphine sehen kann. Weil ich ihm nicht glaube, warten wir solange bis tatsächlich Rückenflossen in Sicht kommen und ich muss laut jubeln vor Freude. Der Nachmittag in Rockingham vergeht wie im Flug. Ich gehe das erste Mal im Meer schwimmen seit ich in Australien bin und bin überrascht, dass das Wasser doch nicht so kalt ist, wie ich befürchtet hatte.

Leider ist auch die erste Nacht im neuen Appartement nicht gut, weil ich immer noch Ohrenschmerzen habe und mir Sorgen mache, ob es nicht doch eine Infektion ist (was beim Kitesurfen oft vorkommt). Am nächsten Tag frage ich bei meiner Vermieterin nach, ob es in Rockingham einen Ohrenarzt gibt und vereinbare mit ihrer Hilfe einen Termin. Trotz Auslandskrankenversicherung muss man in der Regel die Kosten bei Arztbesuchen erst mal selbst übernehmen und dann versuchen, das Geld von der Versicherung erstattet zu bekommen. Daher wollte ich Arzttermine nach Möglichkeit vermeiden, weil ich mir aber wegen der Ohrenschmerzen Sorgen mache und auch die Medikamente aus der Apotheke in Perth nicht helfen, entscheide ich mich nun doch dafür. Zum Glück komme ich sogar sehr schnell dran und werde von einer Ärztin gründlich untersucht, die mir am Ende sagen kann, dass es sich nicht um eine bakterielle Infektion handelt und dass ich weiter die Medikamente nehmen soll, die ich mir in der Apotheke geholt hatte und bereits seit einigen Tagen nehme.

Am Nachmittag sehe ich dann das erste Mal Kites auf dem Spot und entscheide mich trotz der Erkältung dafür, dass ich es selbst versuchen möchte. Also schnappe mich mir meinen neuen Neoprenanzug (der auf Cuyo noch nicht zum Einsatz kam) und meinen 12er Kite und bin 30 Minuten später tatsächlich auf dem Wasser und habe bei meiner erste Kite Session in Australien den Spot fast für mich alleine. Nach einer ganzen Weile auf dem Wasser entdecke ich Eric am Strand. Er hatte mir tagsüber geschrieben, dass er vielleicht vorbei kommen wird und ich freue mich über seinen Besuch. Er landet meinen Kite und ich erzähle ihm freudestrahlend von meiner ersten Session. Wir verpacken meine Kite Ausrüstung und fahren anschließend zu einem tollen Restaurant, wo ich das erste Mal Fish & Chips esse, was mir super gut schmeckt.

In der Nacht landen Lu & Martin in Perth. Die beiden haben für 3 Nächte ein Zimmer in Fremantle gebucht und ich mache mich mit dem Zug auf den Weg in Richtung Perth, um die beiden zu treffen. Als wir uns auf der Straße entdecken, fallen wir uns freudestrahlend in die Arme. Am anderen Ende der Welt Freunde aus der Heimat zu treffen, ist ein ganz fantastisches Gefühl! Wir verbringen den Nachmittag zusammen und beschließen tatsächlich, dass wir für knapp drei Wochen gemeinsam auf einen Westaustralien Roadtrip gehen wollen. In zwei Tagen soll es losgehen. Wir recherchieren ein bisschen nach passenden Mietautos, was gar nicht so einfach ist, weil wir zu dritt doch einiges an Gepäck haben. Nachdem wir uns über den Zeitplan und das Auto einig sind, mache ich mich wieder auf den Rückweg nach Rockingham und freue mich riesig auf das kommende Abenteuer.

Ein Tag bleibt mir noch in Rockingham und glücklicherweise meldet der Forecast einen perfekten Windtag am Kitespot „The Pond“. Endlich sind auch meine Ohrenschmerzen weg und ich fühle mich insgesamt deutlich besser als in den letzten Tagen. Der Wind ist richtig stark und ich freue mich, dass ich endlich mal wieder mit dem 8er Schirm aufs Wasser gehen kann. Die erste Session am Vormittag macht super viel Spaß, aber irgendwann friere ich trotz Neoprenanzug und gehe zum Aufwärmen und Ausruhen zurück in meine Unterkunft, die nur 5 Minuten vom Spot entfernt ist. Am Nachmittag wird es dann richtig voll auf dem Wasser und ich fühle mich anfangs nicht richtig wohl. Ich gewöhne mich aber schnell an das bunte Treiben und genieße die Session dann unheimlich. Ich traue mich sogar an ein paar Sprünge und bekomme ein super Gefühl für den Spot und es macht richtig viel Spaß, endlich bei starkem Wind zu kiten.

Am Abend bekomme ich eine Nachricht von Lu und Martin, dass sie einen Mietwagen gebucht haben und dass wir am nächsten Tag starten können. Also verbringe ich eine letzte Nacht in Rockingham und fahre am nächsten Tag mit meinem ganzen Gepäck mit dem Zug nach Perth, um die beiden zu treffen. Tatsächlich kriegen wir alles in den Mietwagen und sind total aufgedreht, als es endlich losgehen kann.

1 Kommentar zu „Findungsphase in Perth

  1. Rosi Häßelbarth 23. März 2018 — 23:48

    So schön. Ich wünsche Euch unendlich viele schöne Momente zusammen 😘

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