Western Australia Roadtrip – 1. Woche

Wir starten unseren Roadtrip am 18. März und haben drei Wochen Zeit, bis wir zurück in Perth sein müssen. Unser grober Plan ist es, bis nach Exmouth zu fahren (Perth – Exmouth 1.250 km) und unterwegs so oft wie wir wollen einen Zwischenstopp einzulegen, um die wunderschönen Strände und die vielen besonderen Orte entlang der Westküste zu sehen. Der Roadtrip entlang Australiens Westküste ist eine beliebte Route, manche fahren in nur einer Woche nach Exmouth und wieder zurück nach Perth, andere fahren sogar bis nach Darwin und dann durchs Inland wieder in den Süden. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten und Modelle. Viele Traveller befahren die Westküste mit einem Camper Van und übernachten an einigen der vielen Campingplätze. Wir haben uns für ein Mietauto entschieden und wollen uns immer spontan Unterkünfte suchen. Unsere drei Wochen sind für Australien verhältnismäßig kurz. Das Land ist riesig, es gibt unheimlich viel zu entdecken, aber wir sind alle drei froh über diese Gelegenheit und freuen uns riesig auf unser gemeinsames Abenteuer.

Bevor wir starten versorgen wir uns im Supermarkt in Perth noch mit Getränken, Frühstück und einigen Snacks für unterwegs. Dann geht es endlich auf den Indian Ocean Drive und wir fahren am ersten Tag bis nach Lancelin (Perth – Lancelin 126 km). Auf der Strecke machen wir einen Stop in Guilderton und bestaunen zum ersten Mal in aller Ruhe den gewaltigen Indischen Ozean und den traumhaften endlosen Sandstrand. In Guilderton mündet der Moore River in den Indischen Ozean, die Flussmündung ist allerdings versperrt, weil sich im Sommer aufgrund der unzureichenden Wasserzufuhr eine Sandbank bildet.

Lancelin selbst in ein kleines verschlafenes Fischerdorf, man spürt deutlich, dass die Hauptsaison schon vorbei ist. Wir fahren durch die Straßen und suchen nach einer geeigneten Unterkunft und landen letztendlich im Hostel Lancelin Lodge, wo wir zu dritt einen 8er Schlafsaal für uns alleine haben. Als wir uns eingerichtet haben, machen wir uns auf den Weg zum Strand und können noch einige Kiter und Windsurfer in den hohen Wellen beobachten. Lancelin hat einen tollen Kitespot, allerdings mit Offshore Wind und schwierigen Bedingungen. Wir beobachten einen fantastischen Sonnenuntergang und ganz nah am Strand tauchen immer wieder Delphine auf, was uns einen wunderbaren ersten Abend beschert.

Am nächsten Tag leihen wir in unserer Unterkunft ein Sandboard aus und wagen uns auf die sogenannte „Big Dune“, eine riesige Sanddüne, die auch mit Allradfahrzeugen befahren werden kann. Im weichen und heißen Sand auf die Düne zu klettern ist schweißtreibend und gar nicht so einfach, aber der Ausblick ist es wert und nach unseren Versuchen im „Sandboarden“ brauchen wir erst mal eine gründliche Dusche. Wir setzen unsere Fahrt am zweiten Tag bis nach Dongara fort (Lancelin – Dongara 230 km). Wir machen Stopps an der wunderschönen Hangover Bay, im Nambung-Nationalpark und in Jurien Bay. Im Nambung-Nationalpark bestaunen wir die sogenannten „Pinnacles“, charakteristische Kalksteinsäulen, die vor etwa 500.000 bis 50.000 Jahren durch Pflanzenwuchs entstanden sind. In Dongara finden wir relativ schnell das Breeze Inn und beschließen, zwei Nächte hier zu bleiben. Der kleine Ort gefällt uns unheimlich gut und die Unterkunft ist super, ein im indischen Stil eingerichtetes Haus mit vier Gästezimmern, sowie Badezimmern und Küche. Alles ist geräumig und super sauber, in der Küche finden wir alles zum Kochen. Es gibt eine gemütliche Terrasse und einen Garten mit Sitzbänken und einer Hängematte im Schatten, wir fühlen uns richtig wohl und gehen zur Feier des Tages am Abend in Dongara Fish & Chips essen.

Am nächsten Tag freuen wir uns, dass wir nicht ins Auto steigen müssen und erledigen in Dongara in Ruhe ein paar Einkäufe, bevor wir an den South Beach fahren und dort den Tag genießen. Der South Beach ist riesig, links und rechts blicken wir auf einen unendlichen weißen Sandstrand. Das flache und glasklare Wasser lädt zum Schwimmen ein und wir genießen den entspannten Tag. Am Abend grillen wir uns ein paar Bratwürste und Steaks und machen einen herrlich frischen Salat und Süßkartoffel Pommes dazu und genießen unser Abendessen draußen im Garten bei einer angenehmen Brise, einfach fantastisch.

Am 4. Tag unseres Trips wollen wir bis nach Kalbarri fahren (Dongara – Kalbarri 234 km). Nach kurzer Zeit passieren wir zunächst die Stadt Geraldton, die auf dem Weg von Perth nach Exmouth der größte Ort ist. Es gibt zahlreiche Geschäfte und wir decken uns im Supermarkt nochmal mit diversen Lebensmitteln ein. Auf der Weiterfahrt stoppen wir immer mal wieder an den „Leaning Trees“, Bäume, die durch kräftige Südwinde sehr stark gebeugt wachsen und teilweise sogar am Boden liegen. Kurz vor unserem Tagesziel Kalbarri halten wir bei Port Gregory auch noch am Hutt Lagoon See, der auch „Pink Lake“ genannt wird und aufgrund von Beta-Carotin produzierenden Algen eine pinke Farbe hat. Der Anblick ist verblüffend. Erst bei Einbruch der Dunkelheit kommen wir in Kalbarri an und entdecken die von Felsen umrahmte Bucht „Pot Alley“, welche wir uns am nächsten Tag genauer ansehen wollen. Auf den letzten Kilometern Richtung Kalbarri sehen wir das erste Mal Kängurus. Es sind mehrere Tiere und sie sind ein ganzes Stück von der Straße entfernt, aber wir freuen uns riesig über den Anblick. In Kalbarri finden wir die Unterkunft Pelicans Nest und buchen unser Zimmer gleich für zwei Nächte, weil es in und um Kalbarri super viel zu entdecken gibt.

An unserem fünften Tag erkunden wir Kalbarri und können uns gar nicht entscheiden, welche Strände wir anschauen wollen, weil es so viele gibt. Wir statten uns im Ort erst mal mit Taucherbrillen und Schnorcheln aus und machen uns auf den Weg zu den „Blue Holes“, an denen man wunderbar schnorcheln kann. Leider haben wir kein Glück: aufgrund von hohen Wellen und starker Strömung besteht ständig die Gefahr, dass man ans Riff gedrückt wird und durch den aufgewirbelten Sand sieht man leider kaum etwas. Deshalb setzen wir unsere Erkundung fort und landen am „Jakes Point“ und am „Red Bluff“. Endlos lange, zum Teil felsige Strände mit hohen Wellen, die an der Westküste als Surfspots bekannt sind. Die Ausblicke sind fantastisch und wir beobachten sogar das erste Mal Surfer, die ihr Glück auf den Wellen versuchen. Gegen Mittag fahren wir nach Pot Alley, was wir am Vorabend bereits entdeckt haben und verbringen den Nachmittag dort, weil uns die einsame kleine Bucht so beeindruckt. Zuerst müssen wir auf einem schmalen Pfad in die Bucht hinab steigen, links und rechts ragen rote Felsen empor. Wir sind ganz allein, haben die Bucht für uns. Trotz der hohen Wellen trauen wir uns ins Wasser und liegen dann lange einfach nur in dem einzigartigen Sand, der ganz grob ist und aus unendlich vielen bunten Muschel- und Korallenstückchen besteht. Für mich ist Pot Alley der bisher schönste Ort auf unserem Trip.

Am nächsten Tag machen wir uns zeitig auf den Weg, denn wir wollen den Kalbarri Nationalpark besuchen und noch vor der großen Mittagshitze dort gewesen sein. Das 1.920 km² große Naturschutzgebiet wird von einer dramatischen Küstenlinie geprägt, an der die vom Wind geformten hohen, roten Klippen aus dem azurblauen Indischen Ozean emporsteigen. Im National Park angekommen, fahren wir zuerst zum Natures Window, einem natürlichen Fenster im Fels, welches den Blick auf den 80 km langen Murchison River Fluss umrahmt. Als wir uns am Parkplatz auf den Weg machen wollen, kommen wir mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch, die Fliegennetze über ihren Hüten tragen und damit ihr Gesicht schützen. Als die beiden ins Auto steigen wollen, kommen sie nochmal zu uns zurück und schenken uns die beiden Fliegennetze. Später sind wir richtig dankbar dafür, denn es gibt unheimlich viele Fliegen, die sich leider auch ständig ins Gesicht setzen wollen. Zum Natures Window führt ein Pfad, von dem wir einen unglaublich schönen Ausblick auf den National Park und auf den Murchison River haben. Anschließend fahren wir weiter zum sogenannten „Z Bend“ und wandern hinab in eine Schlucht, wo wir sogar im Murchison River schwimmen gehen können.

Als es gegen Mittag zu heiß wird, machen wir uns auf die weite Fahrt nach Denham in der Shark Bay (Kalbarri – Denham, 375 km), weil die Strecke größtenteils durchs Inland und nicht entlang der Küste führt, machen wir nur einen Tankstop in Billabong, was leider so gar nichts mit der hippen australischen Surfer Marke Billabong zu tun hat, sondern lediglich ein Ort mitten im Nirgendwo am Highway ist, wo es eine Tankstelle, ein Restaurant und ein Motel gibt. Bei über 40 Grad Außentemperatur wird sogar ein kurzer Tankstopp zur Tortur. Als wir endlich in Denham ankommen, erkundigen wir uns in der Tourist Info nach Unterkünften und müssen schnell feststellen, dass die Übernachtungsmöglichkeiten sehr teuer sind. Wir fahren noch ein kleines Stück weiter bis nach Monkey Mia, wovon wir unterwegs schon vieles gehört haben … Traumstrand, Delphine füttern, … Wir haben uns viel von Denham und Monkey Mia in der Shark Bay versprochen und sind letztendlich das erste Mal auf unserem Roadtrip richtig enttäuscht. Vor langer Zeit müssen diese beiden Orte einzigartige Fleckchen auf dieser Erde gewesen sein, aber der Tourismus hat das Bild irgendwie kaputt gemacht und wir fühlen uns nicht wohl. Weil es zum Weiterfahren zu spät ist, entscheiden wir uns schlussendlich für einen einfachen Bungalow im Camping Park Blue Dolphin und sind froh, dass wir zumindest fürs Abendessen ein nettes Lokal finden.

Am siebten Tag unseres Roadtrips starten wir das erste Mal ohne Frühstück. Wir wollen so schnell wie möglich weg aus Denham und nehmen als Stopp für unser Frühstück den berühmten Shell Beach ins Visier, der zu den 20 schönsten Stränden weltweit zählt. Nach einem kurzen Stopp am Eagle Bluff mit tollem Ausblick auf Eagle Island fahren wir weiter und sind kurze Zeit später am Shell Beach. Diesmal haben weder Bilder noch Beschreibungen zu viel versprochen, der Strand ist einzigartig und wir müssen richtig staunen, als wir über unzählige Muscheln den breiten Strand überqueren, um zum Wasser zu gelangen. Das Wasser ist glasklar, es geht einige hundert Meter stehtief hinein und überall am Boden ist kein Sand, sondern Abermillionen kleiner weißer Muscheln, total faszinierend. Wir breiten unsere Handtücher aus und genießen an diesem besonderen Ort unser Müsli. Natürlich nehmen wir uns auch Zeit und gehen lange Schwimmen, bevor wir uns auf die Weiterreise begeben.

Unser nächstes Ziel ist das Städtchen Carnarvon (Denham – Carnarvon, 311 km). Auf diesem Abschnitt sitze ich das erste Mal selbst am Steuer und muss mich erst mal an den Linksverkehr gewöhnen. Anfangs ist es tatsächlich ziemlich seltsam, aber ich komme zum Glück schnell zurecht. Als wir in Carnarvon ankommen, vermittelt uns der Ort einen nüchternen Eindruck. Geschäfte und Restaurants sind zu und alles wirkt auf uns irgendwie lieblos. Wir fühlen uns nicht wohl und beschließen trotz der langen Fahrt, dass wir noch bis nach Coral Bay weiterfahren (Carnarvon – Coral Bay, 240 km). Coral Bay liegt bereits am Ningaloo Reef und darauf freuen wir uns sehr. Auf dem Weg nach Carnarvon halten wir an den eigenartigen Termitenhügeln, die urplötzlich links und rechts von der Straße aus der steppenartigen Landschaft ragen. Als wir bei Einbruch der Dunkelheit in Coral Bay ankommen, sind wir froh, dass wir uns entschieden haben, noch bis hierher zu fahren. Coral Bay ist nicht wirklich ein Ort, sondern eine Feriensiedlung an der Coral Coast. Nach Carnarvon wirkt es hier plötzlich richtig lebendig, überall bummeln Leute an der Straße oder am Strand, an den Restaurants herrscht ein buntes Treiben und die Atmosphäre gefällt uns gut. Wir entscheiden uns für ein Zimmer im Backpacker Hostel Ningaloo Coral Bay Club und schaffen es in der untergehenden Sonne sogar noch schnell zum Strand, um uns nach der langen Fahrt im herrlichen Wasser abzukühlen. Vom Strand können wir knietief ins Wasser laufen und nach ca. 50 Metern fällt der Untergrund plötzlich steil ab und wir können nicht mehr stehen. So nah am Strand beginnt tatsächlich schon das Ningaloo Reef und wir freuen uns darauf, die Unterwasserwelt am nächsten Tag zu erkunden.

In der ersten Woche unseres Roadtrips haben wir so viele wunderschöne Orte entdeckt, dass wir schon ganz gespannt sind, was noch kommen wird. Wir fühlen uns in Australien super wohl, sind immer wieder überrascht über die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Australier. Egal ob im Supermarkt, am Strand oder in unseren Unterkünften, wir sind bisher immer auf super nette Menschen gestoßen, die uns geduldig weiter geholfen und tolle Tipps gegeben haben. Die langen Autofahrten sind manchmal eintönig, weil kilometerlang nichts anderes zu sehen ist als eine endlose Straße und links und rechts unendliche Steppe. Wenn der Indische Ozean in Sicht kommt, ist der Anblick immer wieder aufs Neue atemberaubend. Ich bin dankbar, diesen Trip gemeinsam mit Lu und Martin erleben zu können!

2 Kommentare zu „Western Australia Roadtrip – 1. Woche

  1. Rosi Häßelbarth 26. März 2018 — 21:35

    Sooo schön. Jede noch so kleine Beschreibung ist einfach wunderbar. Ich freue mich mit Euch über diese tollen ersten Tage auf Eurem Roadtrip.

    Liken

  2. Wow, Romy! Was für wundervolle Erlebnisse! Weiterhin eine spannende Reise und fantastische Eindrücke! Fühl Dich gedrückt! Martina

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close