Western Australia Roadtrip – 2. Woche

Unsere zweite Roadtrip Woche startet mit einem entspannten Tag in Coral Bay am Ningaloo Reef. Das Nigaloo Reef ist über 250 km lang und erstreckt sich entlang der Coral Coast an der Westküste Australiens. Es liegt sehr nah vor der Küste, sodass man von vielen Stränden und Buchten nach nur wenigen Metern schon am Riff schnorcheln kann. Wir sind begeistert vom unglaublich klaren und türkisblauen Wasser und stürzen uns mit Schnorchel und Taucherbrille in die Fluten. Am Ningaloo Reef können 220 Korallenarten bestaunt werden, wir begutachten viele verschiede Formen und Farben und lassen uns von der Strömung über das Riff hinweg treiben. Neben unzähligen Fischen sehen wir am Ningaloo Reef sogar Schildkröten, Rochen und kleine Haie, die Unterwasserwelt am Riff ist unglaublich schön und lebendig, für mich ein einzigartiges Erlebnis. Am Abend schaffe ich es tatsächlich zum ersten Mal zu einer Yoga Stunde, seit ich auf Reisen bin. Yoga habe ich zeitgleich mit dem Kitesurfen im August 2016 begonnen und seitdem einmal pro Woche einen Yoga Kurs im Sportstudio besucht. Ich bin nicht besonders talentiert was Yoga angeht, aber es tut mir gut und ich mache es mittlerweile sehr gern. In unserer Unterkunft hatte ich an der Pinnwand einen Aushang zum Sunset Yoga gesehen und geselle mich der kleinen Runde hinzu. Auf der Wiese unter Palmen mit Blick auf die wunderschöne Coral Bay … das war bisher definitiv meine schönste Yoga Stunde.

Am nächsten Tag erwartet uns beim Frühstück eine tierische Überraschung. Eine Mitarbeiterin vom Hostel in Coral Bay hat auf der Straße ein Känguru Baby gerettet, dessen Mutter überfahren worden ist. Sie hält das 6 Monate alte Känguru Mädchen eingewickelt in einer Hose in den Armen und erzählt uns, dass es bereits das fünfzigste Waisenkind ist, was sie aufziehen wird. Es ist leider wirklich so, dass sehr oft Kängurus angefahren werden, wir haben selbst auf unserem Roadtrip immer wieder tote Tiere am Straßenrand liegen sehen. Sie erzählt uns, dass sie bei überfahrenen Tieren anhält und im Beutel nachschaut, ob sich ein Junges darin befindet. Wir sind unglaublich berührt von diesem Engagement und dieser Tierliebe. Wir dürfen die kleine „Josi“ sogar selbst im Arm halten und können uns am Anblick des kleinen Kängurus gar nicht satt sehen.

Bis nach Exmouth ist es nun gar nicht mehr weit (Coral Bay – Exmouth, 150 km) und wir entscheiden uns, die nächsten zwei Nächte einen Bungalow auf dem RAC Exmouth Cape Holiday Park zu mieten, was in Exmouth eine ganz einfache, dafür aber die günstigste Variante ist. Es gibt auf dem Campingplatz eine große Gemeinschaftsküche, sodass wir auch selbst etwas kochen und grillen können. Außerdem gibt es eine schöne Pool Anlage mit viel Schatten unter Palmen. Bei den Stränden an der Westküste Australiens ist es unvorstellbar, sich an einen Pool zu legen, aber am Strand gibt es absolut keinen Schatten und bei über 40 Grad muss man über die Mittagszeit einfach vor der Sonne flüchten. Wir entspannen also eine Weile am Pool und erkunden am späten Nachmittag noch den Town Beach und den Bundegi Beach etwas nördlich von Exmouth. Am Abend entscheiden wir uns für das Lokal „Froth“ und ich esse einen fantastischen Salat „Make Friends with Salad“ mit Kürbis und Roter Beete, absolut klasse und wir sind uns einig, dass das das bisher schönste Lokal ist, in dem wir seit Beginn unseres Roadtrips gegessen haben.

Unser zweiter Tag in Exmouth startet schon wieder mit einem tierischen Erlebnis. Noch etwas schlaftrunken verlasse ich mit Zahnbürste im Mund unseren Bungalow in Richtung der Waschräume und blicke direkt in die neugierigen Augen eines großen Emus, der vor unserer Tür steht. Auf dem Campingplatz sind die Tiere stets und ständig unterwegs und es wird mit Hinweisschildern davor gewarnt, die Emus zu füttern, weil sie sehr aggressiv werden können. Also nehmen wir quasi einen Fluchtweg über die Rückseite unseren Bungalows und lassen den Emu lieber in Ruhe. Nach dem Frühstück fahren wir zum Surfers Beach nördlich von Exmouth und beobachten viele Wellenreiter. Der Spot ist riesig und wunderschön, zum Surfen ein echtes Paradies. An der Westküste vom Exmouth Cape gibt es zahlreiche Strände und Buchten zu entdecken, wir besuchen Jurabi Beach, an dem Schildkröten ihre Eier ablegen, Mauritius Beach und Trealla Beach. Wir baden im herrlichen glasklaren Wasser und inspizieren wunderschöne Muscheln am Strand. Auf der Rückfahrt nach Exmouth sind am Straßenrand ständig Kängurus zu sehen, wir müssen unheimlich langsam und aufmerksam fahren, weil immer wieder Tiere die Fahrbahn überqueren. Bei diesem schier endlosen Lebensraum ist uns erst unbegreiflich, weshalb sich die Tiere direkt an der Straße aufhalten. Der Grund dafür ist, dass sich nachts die Feuchtigkeit in der Luft auf der Straße absetzt und in die Straßengräben abfließt. Dann wachsen neben der Straße zarte grüne Gräser, die die Kängurus lieben. Wir freuen uns zwar, die Tiere aus so kurzer Distanz beobachten zu können und sind dennoch froh, als wir unbeschadet zurück am Campingplatz ankommen. Am Abend grillen wir uns ein paar Bratwürste und machen dazu einen leckeren Couscous Salat. In Australien gibt es an den Campingplätzen und auch an vielen Stränden öffentliche Barbecue Plätze mit Gas, die jeder benutzen kann. Mit Holzkohle zu grillen oder sogar ein Feuer zu machen, ist strengstens verboten aufgrund der sehr hohen Gefahr eines Buschbrands.

Für den nächsten Tag haben wir uns vorgenommen, Turquoise Bay und Sandy Bay zu erkunden, die beide wunderschön sein sollen, von Exmouth müssen wir dafür ca. eine Stunde entlang der Küste auf die Westseite des Exmouth Cape fahren. Turquoise Bay verblüfft uns ab dem ersten Anblick. So etwas habe ich bisher nur auf Bildern gesehen, das Wasser hat eine wunderschöne türkisblaue Farbe, nur wenige Meter vom Strand entfernt sind schon die ersten Korallen des Ningaloo Reef zu erkennen. Wir suchen uns einen schönen Platz am Strand und gehen schwimmen und schnorcheln. Am Nachmittag fahren wir noch etwas weiter Richtung Süden bis zur Sandy Bay, die uns auch schon als Kitespot genannt worden ist. Beim Anblick der Sandy Bay sind wir alle drei sprachlos. Inzwischen haben wir in Australien viele wunderschöne Strände gesehen, aber tatsächlich setzt dieses Fleckchen Erde nochmal eine Schippe oben drauf. Der Strand ist lang und breit mit tollem feinen Sand und das Wasser raubt einem fast den Atem, glasklar und in verschieden Türkis- und Blautönen, einfach fantastisch. Am Strand ist keine Menschenseele zu sehen, auf dem Wasser entdecken wir zwei Windsurfer. Ich bin hin und her gerissen, der Wind ist klasse, der Spot ist einfach unglaublich, aber ich habe mir vorgenommen, nicht auf einem mir unbekannten Spot zu kiten, wo ich niemanden nach den Gegebenheiten und möglichen Gefahren befragen kann. Weil es einfach zu verlockend ist, hole ich meine Kitesachen aus dem Auto und als ich an den Strand zurückkomme, sind die beiden Windsurfer am Ufer, sodass ich mich mit ihnen ein bisschen zu den Bedingungen austauschen kann. Dass Riff beginnt hier in der Sandy Bay erst weit draußen, sodass soweit das Auge reicht nur sandiger Boden im glasklaren Wasser zu erkennen ist. Meine letzte Kite Session ist über eine Woche her, ich bin ganz aufgeregt als ich meinen 8 Meter Kite aufpumpe und die Leinen sortiere. Lu & Martin helfen mir beim Starten und Sekunden später bin ich tatsächlich allein auf diesem unfassbar schönen Spot und muss auf dem Wasser vor Freude jubeln, es ist ein wunderbares Gefühl! In Strandnähe ist das Wasser einige Meter stehtief, danach ist es bis raus zum Riff deutlich tiefer, aber ich kann beim Kiten immer den sandigen Boden und hin und wieder Korallen unter mir sehen und entdecke sogar vier Mal eine große Schildkröte. Beim Einpacken meines Kites bin ich überglücklich und der Tag ist für mich der bisher schönste während unseres Roadtrips. Sandy Bay nimmt nun den 1. Platz meiner Liebslingsorte auf dem Roadtrip ein, dicht gefolgt von Pot Alley in Kalbarri. Auf der Rückfahrt nach Exmouth bekommt mein Hochgefühl leider einen Knacks, weil ein Auto direkt vor uns ein Känguru überfährt, das Tier bleibt leblos mitten auf der Straße liegen und wir müssen ausweichen. Die restliche Strecke fahren wir extrem langsam und aufmerksam und nehmen uns fest vor, nicht mehr in der Dämmerung zu fahren, es ist einfach zu gefährlich.

Bevor wir zurück zum Campingplatz fahren, machen wir noch einen Stop beim Exmouth Surf Center und leihen Kitematerial für Lu & Martin aus, denn die beiden haben jetzt natürlich Blut geleckt. Sie haben vor einiger Zeit schon Kitestunden in Spanien und Griechenland genommen und würden gern daran anknüpfen. Also verlängern wir unseren Aufenthalt in Exmouth und machen uns am nächsten Tag gleich in der Früh auf den Weg zum Town Beach, weil uns dieser Spot als anfängergeeignet empfohlen wird. Wir haben Glück, der Wind ist gut und wir haben den Spot ganz für uns alleine. Für mich ist es das erste Mal, dass ich jemandem das Kiten beibringe und ich freue mich über jeden kleinen Erfolg bei den Beiden. Wir verbringen den Vormittag mit Bodydrag und Wasserstarts und fahren über die heißen Mittagsstunden zurück zum Campingplatz. Am Nachmittag machen wir uns wieder auf den Weg an die Westseite des Exmouth Cape, um den Kitespot „Boggy Beach“ zu erkunden, der in Exmouth der beliebteste Kitespot sein soll. Vom Parkplatz müssen wir eine riesige Sanddüne überqueren um zum Strand zu gelangen, an dem wir wieder keine Menschenseele antreffen. Der Spot ist riesig und das Wasser überall sehr flach. Der Untergrund ist jedoch sehr steinig, sodass wir uns schweren Herzens gegen eine weitere Session entscheiden, weil das Verletzungsrisiko zu groß ist. Wir bringen das Kitematerial zurück zur Kiteschule und hoffen, dass wir bei unserer Rückfahrt Richtung Perth nochmal an einem anderen Spot gute Anfängerbedingungen finden werden, damit die beiden aufs Brett kommen.

Am nächsten Tag machen wir uns bereits früh am Morgen auf den Weg zum Cape-Range-Nationalpark und wollen vor der einsetzenden Hitze den Mandu Mandu Trail entlang wandern. Wir sind eine gute Stunde unterwegs und genießen tolle Ausblicke über den Nationalpark und aufs Ningaloo Reef. Der Trail führt entlang des Mandu Mandu Flusses, der allerdings aufgrund der langen Hitzemonate komplett ausgetrocknet ist. Links und rechts vom trockenen Flussbett ragen steile Felswände empor und wir entdecken plötzlich zwei seltene Schwarzpfoten-Felskängurus, die mit einer Leichtigkeit an den steilen Felswänden unterwegs sind, was für ein toller Anblick! Nach unserer schweißtreibenden Wanderung fahren wir noch ein Stück weiter zur Sandy Bay, die zum Glück nicht mehr weit entfernt ist. Weil es uns dort so gut gefallen hat, wollen wir unseren letzten Nachmittag in Exmouth an diesem paradiesischen Ort verbringen. Es gibt sogar einen überdachten Schattenplatz, an dem wir unsere Hängematten aufhängen können und den traumhaften Ausblick über die Bucht genießen. Gegen Mittag frischt der Wind auf und ich komme tatsächlich nochmal zu einer fantastischen Kite Session an diesem einzigartigen Ort. Heute sind wieder keine anderen Kiter da und diesmal auch keine Windsurfer, ich habe den Spot ganz für mich alleine und kann mein Glück kaum fassen. Auf dem Rückweg nach Exmouth halten wir für den Sonnenuntergang am Leuchtturm, der ein beliebter Aussichtspunkt ist. Die Zeit in Exmouth hat uns super gut gefallen, wir genießen zufrieden ein letztes Mal den Ausblick vom Exmouth Cape über den Indischen Ozean.

Am Ende unserer zweiten Roadtrip Woche verlassen wir Exmouth und treten die Rückreise Richtung Perth an. Wir fahren bis nach Carnarvon (Exmouth – Carnarvon, 360 km) und bleiben für eine Nacht im Carnarvon Motel. Weil es in und um Carnarvon nicht viel zu sehen gibt, nutzen wir die Zeit und erledigen ein paar Einkäufe und machen den Hotelpool samt Rutsche unsicher, was für ein Spaß! Abends folgen wir der Empfehlung von Tripadvisor und holen uns in einer kleinen Imbissbude großartige Fish & Chips, die wir mit ins Hotel nehmen und auf der Terrasse vor unserem Zimmer verputzen, bis wir fast platzen.

Unsere zweite Roadtrip Woche ist wie im Flug vergangen. Wir sind letztendlich sogar fünf Tage in Exmouth geblieben und ich habe mich riesig darüber gefreut, Kiten zu gehen und dann noch an so einem fantastischen Ort. Aufgrund der Osterfeiertage haben wir deutlich mehr Reisende angetroffen als in unserer ersten Woche, aber dennoch waren die Strände fast immer menschenleer und wir haben die Ruhe unheimlich genossen. Es war toll, am Ningaloo Reef schnorcheln zu gehen und diese tolle Unterwasserwelt zu erleben. Wir haben viel Spaß zusammen und können selbst der einfachsten Unterkunft etwas Positives abgewinnen. Es ist wunderbar, dieses Abenteuer gemeinsam zu erleben und ich bin gespannt, wie unsere dritte Woche verlaufen wird.

1 Kommentar zu „Western Australia Roadtrip – 2. Woche

  1. Martina Bochmann 4. April 2018 — 15:15

    Bin begeistert!!! :O))

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