Australien – zum Verlieben schön

Nach unserem dreiwöchigen Roadtrip entlang der Westküste Australiens und dem Abschied von Lu & Martin verbringe ich ein paar ruhige Tage in Perth. Ich habe unendlich viele Fotos zu sortieren, meine weitere Reise zu planen, etc. Da kommt mir die gemütliche Airbnb Unterkunft im Stadtteil Attadale gerade recht. Ich wohne im Haus meiner Gastgeberin Lisa, ihrem Mann und deren drei Kids und habe ein kleines gemütliches Zimmer mit hunderten Büchern in raumhohen Regalen. Ja, ich nehme mir auf der Reise tatsächlich das erste Mal Zeit für ein Buch und lese stundenlang, was echt toll ist. Lisa’s Haus ist außerdem ganz nah am wunderschönen Swan River gelegen, sodass ich die Zeit für lange Spaziergänge am Wasser nutzen kann.

IMG_2181
Spaziergang am Swan River mit Ausblick auf die Skyline von Perth

Ein Tagesausflug führt mich nach Rottnest Island. Die kleine Insel direkt vor Perth ist 11 km lang und 4,5 km breit. Auf der Insel sind Kraftfahrzeuge verboten, lediglich ein Pendelbus ist auf der schmalen Straße unterwegs. Ich entscheide mich jedoch fürs Fahrrad und umrunde damit einmal komplett die ganze Insel. Ich schaue mir die traumhaften Buchten und Küstenlandschaften an. Die Insel ist wunderschön und ich bin froh, dass sich der Touristenstrom, der stündlich mit der Fähre nach Rottnest Island gebracht wird, auf der Insel sehr gut verteilt. Am besten gefällt mir der abgelegenste Punkt auf der Insel, das West End. Hier treffen die Wellen auf schroffe Kalksteinfelsen, das mächtige Wasserspiel könnte ich stundenlang betrachten. Natürlich entdecke ich auf Rottnest Island auch einige der sogenannten Quokkas (ein Kleinkänguru), die der Insel ursprünglich ihren Namen gegeben haben („Rattennest“). Die eigentlich nachtaktiven Tiere sind unheimlich zutraulich und lassen sich sogar anfassen. Auf Rottnest Island haben sie sich zum Teil einen Tagrhytmus angewöhnt, weil sie dann leichter Nahrung erbetteln können.

IMG_2082
Rottnest Island

Als mein letztes Wochenende in Perth ansteht, verabrede ich mich mit Eric, den ich bereits vor dem Roadtrip kennengelernt habe. Er fährt übers Wochenende an die Skydive Dropzone in York (etwa 1,5 Stunden von Perth entfernt) und bietet mir an, dass ich mitkommen kann. Anfangs bin ich mir natürlich gar nicht sicher, ob ich dazu bereit bin, tatsächlich aus einem Flugzeug zu springen. Ich habe überhaupt kein Problem mit Höhen, kann in den Bergen angstfrei am Grat entlang wandern oder beim Klettern extrem ausgesetzte Stellen meistern. Aber aus der Höhe in die Tiefe hinab zu springen, dass ist irgendwie so gar nicht meins, im Schwimmbad kostet mich schon der 5 m Sprungturm Überwindung. Ich entscheide mich dafür, Eric nach York zu begleiten und mir die ganze Sache vor Ort erstmal anzusehen. Die Dropzone liegt etwas außerhalb von der kleinen Ortschaft York, im Grunde mitten im Outback. Es herrscht geschäftiges Treiben und die kleine Propellermaschine (Platz für max. 20 Personen) hebt dann und wann mit der nächsten Ladung Skydiver ab. Ich komme mit einigen Leuten ins Gespräch und natürlich steckt mich besonders Eric mit seinem breiten Grinsen nach jedem Sprung an, sodass ich nicht mehr anders kann, als „JA“ zu sagen. Bei der Vorbereitung mit meinem Tandemmaster Christoph wächst die Aufregung. Als es zum Flugzeug geht, merke ich, dass es kein Zurück mehr gibt und bin ganz schön nervös.

Romy Haesselbarth 0017
Skydive Dropzone York: Mit meinem Tandemmaster Christoph

Im Flugzeug sitzen wir aufgereiht wie auf einer Perlenschnur eng hintereinander auf zwei schmalen Bänken. Während es langsam aber sicher hinauf auf 14.000 Ft geht, befestigt Christoph alle Schnallen und Gurte und gibt mir die letzten Instruktionen für unseren gemeinsamen Sprung. Als die Absprunghöhe erreicht ist, wird das breite Rolltor vom Flugzeug geöffnet und mein Herz setzt fast aus. Ich realisiere, dass ich nie zuvor in einem Flugzeug mit geöffneter Tür gesessen bin. Jetzt geht alles ganz schnell, die vorderen Springer verlassen ohne Zögern das Flugzeug und wir rutschen von hinten auf Richtung Exit. Der Moment des Absprungs ist für mich der schlimmste. Wir sitzen in der Tür, die Beine hängen schon unterm Flugzeug, mein Herz rast. Beim Absprung habe ich für den Bruchteil einer Sekunde das Gefühl des Fallens, danach fühlt es sich nur noch wie Fliegen an und ich weiß innerhalb von Sekunden, dass ich es liebe. 60 Sekunden Freier Fall sind Adrenalin pur. Ich kann nicht anders, als vor Freude und Glück laut zu jubeln, ich habe selten etwas Vergleichbares erlebt, wahrscheinlich nie zuvor. Christoph ist ein spitzenmäßiger Tandemmaster. Ich fühle mich sicher mit ihm, als sich unser Schirm öffnet, gibt es nur einen sanften Ruck und schon gleiten wir über York und ich genieße das überwältigende Gefühl und die wunderbare Aussicht. Christoph überlässt mir auch kurz das Lenken und ich liebe das Fliegen, es ist einfach unbeschreiblich schön. Wir landen sicher und sanft auf der grünen Wiese der Dropzone in York und mit festem Boden unter den Füßen wird mir das Geschehene erst richtig bewusst. Ich bin wie berauscht, kann mein Glück kaum fassen und bin stolz, dass ich mich getraut habe.

Romy Haesselbarth 0201
Völlig geflasht

In Australien endet die Windsaison im März. Auch wenn ich mich nach dem Kiten sehne, so bleibt mein Equipment doch verpackt, weil es definitiv nicht windig genug ist. Meine letzten zwei Tage in Perth verbringe ich deshalb mit einem Besuch beim Indoor Skydiving, mit einer ausgedehnten Runde auf dem Stand Up Paddle Board auf dem wunderschönen Swan River und stundenlangen Spaziergängen am Sorento Beach und am Pinnaroo Point. Perth ist unheimlich schön und vielseitig, ich genieße meine Zeit in dieser tollen Stadt sehr und bin dankbar, dass ich Eric getroffen habe, der mich mit seiner Leidenschafts fürs Fallschirmspringen angesteckt hat.

Als ich mich entschieden habe, auf meiner Reise auch nach Australien zu fliegen, stand fest, dass ich definitiv auch Sydney sehen möchte. Bevor also mein Kitesurf Abenteuer weiter geht, fliege ich für sechs Tage nach Sydney und checke im Wake Up Hostel direkt an der Central Station ein. Gleich am ersten Tag schließe ich mich einer Walking Tour vom Coogee Beach zum berühmten Bondi Beach an, die kostenfrei vom Hostel angeboten wird. Auf der Tour komme ich mit Isabell aus Deutschland ins Gespräch, wir verstehen uns auf Anhieb super gut und ich freue mich über eine Gesprächspartnerin aus der Heimat. Der Coastal Walk ist ca. 5 km lang und führt entlang einer beeindruckenden Küstenlinie sowie einiger der insgesamt 152 Strände in Sydney. Der besonders bei Surfern sehr beliebte Bondi Beach ist riesig. Weil es bewölkt und etwas windig ist, ist der breite Strand relativ leer, im Sommer liegt hier Mann an Mann.

IMG_2354
Coastal Walk Coogee Beach – Bondi Beach

Ich schließe mich in Sydney zwei weiteren kostenfrei angebotenen Walking Touren an und kann auf diese Weise die wichtigsten Spots der Stadt erkunden und bekomme nebenbei viele interessante Infos über die Geschichte von Sydney. Generell ist das Angebot an Aktivitäten in und um Sydney schier endlos. Es gibt unzählige Parks, Museen, Shopping Malls, Zoos, Highlights wie das Opera House und die Harbour Bridge und, und, und. Ich könnte hier Wochen verbringen und es würde keine Langeweile aufkommen. Weil mir aber nur sechs Tage bleiben, picke ich mir lediglich ein paar Sachen heraus und genieße es vorallem, am Circular Quay zu spazieren, wo man tolle Ausblicke auf die Oper und die gigantische Harbour Bridge genießen kann. Direkt neben der Oper gibt es den riesigen Royal Botanic Garden, der ebenfalls zum Spazieren und Relaxen einlädt. Generell gibt es in Sydney viele wunderschöne Parks und Anlagen und überall ist es ganz selbstverständlich, dass man auf den herrlich grünen Wiesen flaniert oder einfach entspannt in der Sonne liegt.

IMG_2415
Opera House

Ein Tagesausflug führt mich in die Welterberegion der Blue Mountains, die ich mir gemeinsam mit Sophie, die ich im Wake Up Hostel kennengelernt habe, anschauen möchte. Wir fahren mit dem Zug zwei Stunden bis nach Katoomba und erkunden die Blue Mountains mittels Hop on Hop off Bus und langen Walks durch die tropischen Wälder. Der Anblick der Blue Mountains ist fantastisch. Sie verdanken ihren Namen einem natürlichen Blauschimmer, der durch die riesigen Eukalyptuswälder verursacht wird. Öltröpfchen, die von den Bäumen freigesetzt werden, vermischen sich mit Wasserdampf und Sonnenlicht und auf diese Weise entsteht die einzigartige Farbe. Eines der Highlights, ist die Felsformation der sogenannten Three Sisters. Die verwitterten Sandsteingipfel sind im Verlauf von Jahrtausenden entstanden und ragen über 900 m gen Himmel.

IMG_2466
Blue Mountains mit den Three Sisters

Ein weiterer Tagesausflug führt mich nach Manly, einem nördlichen Vorort von Sydney. Ich fahre mit der Fähre ungefähr eine halbe Stunde bis nach Manly und genieße beim Durchqueren des riesigen Sydney Harbour tolle Ausblicke auf diese fantastische Stadt und ihre Umgebung. In Manly fahre ich noch ein ganzes Stück mit dem Bus und mache dann einen wunderschönen, 10 km langen Coastal Walk zurück nach Manly. Der Pfad führt immer am Wasser entlang, ich entdecke versteckte Strände und Buchten und die Aussicht bis zur Skyline nach Sydney ist einfach grandios.

IMG_2650
Coastal Walk in Manly

Weil ich es in Perth nicht in den Zoo geschafft habe und der Taronga Zoo in Sydney besonders schön sein soll, verbringe ich einen ganzen Tag dort und tatsächlich ist es der schönste Zoo, in dem ich je gewesen bin. Zunächst fahre ich mit der Fähre vom Darling Harbour in Sydney ca. 20 Minuten bis zum Zoo und dann bringt mich eine Gondelbahn nach oben zum Eingang. Der Zoo befindet sich direkt am Wasser und durch die erhöhte Lage hat man immer einen fantastischen Ausblick auf Sydney. Ich nehme mir Zeit, alle Gehege und auch die angebotenen Shows zu besuchen und beobachtete viele verschiedene Tiere, von denen einige bei uns nicht im Zoo zu finden sind.

Meine Tage in Sydney verfliegen im Nu, am letzten Tag fahre ich bei strahlendem Sonnenschein zur Watsons Bay und verbringe zum Abschluss nochmal ein paar entspannte Stunden am Strand in der herrlichen Sonne Australiens. Nach sechs Wochen ist mir dieses einzigartige Land unheimlich ans Herz gewachsen. Auch wenn ich mich auf das nächste Abenteuer sehr freue, so verlasse ich Australien definitiv mit einem weinenden Auge und der Hoffnung, irgendwann zurück kehren zu können.

1 Kommentar zu „Australien – zum Verlieben schön

  1. Rosi Häßelbarth 24. April 2018 — 14:09

    Das erste Mal, dass ein paar Tränchen bei mir flossen während des Lesens. Einfach unheimlich berührend Deine Erlebnisse und wie Du sie beschreibst.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close