Maui – Liebe auf den zweiten Blick

Ja, es hat in der Tat ein bisschen gedauert, bis Maui mein Herz erobert hat, aber von Anfang an … der Flug von Oahu nach Maui dauert nicht mal eine dreiviertel Stunde. Kaum von der Startbahn in Honolulu abgehoben, lande ich auch schon in Kahului und wenige Minuten später verlasse ich mit samt meinem Gepäck den Flughafen. Für die kommenden 11 Tage auf Maui habe ich einen Camper Van gemietet, damit ich auf der Insel mobil bin und nicht jeden Abend an einen festen Punkt zurück fahren muss.

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Paul, bei dem ich den Van gemietet habe, holt mich am Flughafen ab und als wir uns gefunden und mein Gepäck eingeladen haben, fährt er mit mir eine ganze Weile durch Kahului, um mir ein bisschen die Umgebung zu zeigen und nebenbei vieles zu erklären. Kahului ist im Grunde ein einziges Gewerbegebiet, Supermärkte, Tankstellen, Geschäfte aller Art … erstmal nicht das, was man bei der Ankunft auf Maui erwartet. Aber gut … der beliebteste Kite Spot auf Maui ist fußläufig vom Flughafen entfernt, am Kanaha Beach. Paul und ich fahren dort vorbei, sodass ich einen ersten Eindruck bekommen kann. Nach einer Weile setzt er mich bei meinem gemieteten Van ab, wir laden mein Gepäck um und Paul erklärt mir alles Wichtige über das Auto. Ich bin aufgeregt, weil ich noch nie allein mit einem Camper Van unterwegs war. Das Auto ist groß und geräumig, neben der Matratze bekomme ich locker mein Gepäck unter und habe noch einige Utensilien wie einen Campingstuhl und eine Kiste mit Handtüchern, Gaskocher, Geschirr und Campingdusche mit an Bord.

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Als alles geklärt ist, düse ich los und kaufe im Supermarkt ein paar Lebensmittel für die nächsten Tage ein. Im Van gibt es eine Kühlbox, die ich mit Eis füllen und so für ein paar Tage meine gekauften Lebensmittel kühlen kann. Nach dem Einkaufen ist es schon später Nachmittag und ich muss mir überlegen, wo ich die erste Nacht verbringen werde. Es gibt kaum offizielle Campingplätze auf Maui, wer campt, der stellt sich im Grunde irgendwohin, was gar nicht so einfach ist, weil man an vielen Plätzen wie z.B. den öffentlichen Beach Parks mit Toiletten und Duschen nachts nicht stehen darf. Gute Freunde aus Gera waren letztes Jahr in Hawaii und haben mir ein paar Tipps gegeben, wo ich mich nachts mit dem Van hinstellen kann. Ich folge einem ihrer Tipps und fahre ca. 20 Minuten Richtung Süden zum Maalaea Harbor. In einer ruhig gelegenen Seitenstraße in der Nähe vom Haycraft Beach Park parke ich mein Auto. Es dämmert bereits, aber ich laufe noch zum Strand und genieße für kurze Zeit den lauen Abend, bevor ich mich im Camper Van zurück ziehe. Die erste Nacht ist komisch, ich lausche jedem Geräusch, jedem vorbei fahrenden Auto. Erst nach einer Weile schlafe ich ein und bin am nächsten Morgen überrascht, dass ich doch recht gut geschlafen habe.

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Erster Abend in Maui am Haycraft Beach mit Blick auf Mauis Berg

An meinem zweiten Tag auf Maui möchte ich in Ruhe den Kitespot am Kanaha Beach erkunden. Weil man dort aber erst ab 11 Uhr kiten darf, nutze ich die Zeit und fahre zunächst noch etwas weiter Richtung Süden nach Kihei, einem kleinen Ort mit zahlreichen Stränden und vielen Hotels. Auch hier gibt es einen Kitespot am Waipuilani Beach, aber die Bedingungen sind schwieriger und das Wasser ist relativ flach, sodass wegen des Riffs Vorsicht geboten ist.

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Waipuilani Beach Park in Kihei

Nach meiner Erkundung fahre ich am späten Vormittag zurück nach Kahului zum Kite Spot am Kanaha Beach und verbringe dort den restlichen Tag. Ich treffe Terran wieder, den ich bereits auf Oahu durch Eunice und James kennengelernt habe. Terran erklärt mir die wichtigsten Sachen am Spot und ich würde am liebsten sofort aufs Wasser, aber der Wind spielt nicht so richtig mit. Wir verbringen den Nachmittag damit, die wenigen Kiter zu beobachten, die immer wieder ihr Glück versuchen, aber der Wind ist schwach und ab und zu sogar ganz weg, sodass ich mich gegen einen Versuch entscheide. Ich fahre an der Nordküste ein Stück Richtung Osten bis zum Baby Beach, wo ich die Nacht verbringen möchte. Über eine holprige Straße gelange ich bis direkt ans Meer und entscheide mich, hier zu bleiben. Leider regnet es fast die ganze Nacht und auch am Morgen herrscht ein tristes Grau und der Regen trommelt nach wie vor aufs Autodach. So hab ich mir Maui eigentlich nicht vorgestellt. In der Hoffnung im Süden Mauis etwas besseres Wetter anzutreffen, fahre ich wieder nach Kihei und gehe am Wailea Beach spazieren. Weil Wind und Wetter immer noch nicht so richtig mitspielen, mache ich mich auf den Weg Richtung Westen nach Lahaina. Die Strecke führt größtenteils direkt an der Küste entlang, was echt schön und abwechslungsreich ist. Nördlich von Lahaina befindet sich Honolua Bay. Von einer Steilküste aus kann man unten in der Bucht die Surfer beobachten.

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Honolua Bay im Westen Mauis

Eigentlich wollte ich hier die Nacht verbringen, aber die Zufahrt zur schmalen Straße, die auf die Klippe führt, hat riesige Schlaglöcher und ist aufgrund des Regens aufgeweicht und rutschig. Weil es ein Stück bergab geht, was ich am nächsten Tag mit dem Van bergauf meistern müsste, gehe ich das Risiko lieber nicht ein und gehe schweren Herzens auf die Suche nach einem anderen Platz zum Übernachten. Ich parke im DT Fleming Beach Park in der Honokahua Bay und wandere trotz Regen den Dragon’s Teeth Trail bis zum Aussichtspunkt Makaluapuna, wo die Brandung auf gezackte Felstürme trifft.

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an den Dragon’s Teeth

Am nächsten Tag bummle ich lange durch Lahaina, ein kleines nettes Städtchen an der Westküste Mauis. Zwischen Surferläden, Kunstgallerien und Souvenirshops gönne ich mir ein auf Hawaii typisches Shave Ice, was ich auch schon auf Oahu probiert hatte. Von einem großen Eisblock wird mit einer Maschine Eis abgeschabt, was dann im Becher zu einer großen Kugel geformt wird. Aus unzähligen Geschmacksrichtungen kann man sich bis zu 3 Sorten aussuchen, die dann in flüssiger Form über das Eis gegossen werden. Echt lecker!

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Lahaina

Den Nachmittag verbringe ich etwas weiter südlich im Puamana Beach Park und entscheide mich, die Nacht hier zu verbringen, weil bei Sonnenuntergang auch noch andere Autos auf dem Parkplatz stehen. Bevor ich mich im Camper Van zurück ziehe, genieße ich einen der schönsten Sonnenuntergänge, die ich seit Beginn meiner Reise gesehen habe. Über eine Stunde beobachte ich die untergehende Sonne und der Anblick sowie das Farbenspiel am Himmel ändert sich minütlich, ich bin total hin und weg und genieße es zum ersten Mal in vollen Zügen, auf Maui zu sein.

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traumhafter Sonnenuntergang im Puamana Beach Park

Das Hochgefühl ist nicht von langer Dauer, mitten in der Nacht werde ich von der Polizei geweckt und muss mir zum Übernachten einen anderen Platz suchen … das ist ganz schön nervenaufreibend und mir graut schon ein bisschen vor den kommenden Nächten. Die Nacht verbringe ich letztendlich wieder im Maalaea Harbor und fahre am nächsten Morgen an den Kitespot im Waipuilani Beach Park in Kihei. Weder Windsurfer noch Kiter sind auf dem Wasser, aber ich bleibe trotzdem und motiviere mich zu einer kleinen Yoga Session am Strand. Witziger Weise werde ich plötzlich fotografiert und anschließend von Matthew Thayer interviewt, der einen Artikel für die Maui News schreibt. Ich erzähle ihm ein bisschen von meiner Reise und tatsächlich finde ich später den Artikel und ein Foto von mir in den Maui News und freue mich riesig darüber.

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Yoga im Waipuilani Beach Park in Kihei, Foto von Matthew Thayer / Maui News

Weil es endlich Zeit für eine Kite Session auf Maui wird, fahre ich gen Norden zum Kite Spot in Kahului und tatsächlich werde ich nicht enttäuscht. Der Wind ist sogar so stark, dass ich zum allerersten Mal meinen 5 m² Kite aufpumpe, der noch jungfräulich ist und drei Monate lang nur im Kitebag geschlummert hat. Ich bin ganz schön aufgeregt, als es aufs Wasser geht, der kleine Kite reagiert super schnell und mit dem starken Wind und Wellen ist alles etwas neu für mich aber macht riesig Spaß! An der Wasseroberfläche tauchen immer wieder riesige Meeresschildkröten auf. Als ich zum ersten Mal eine sehe, bleibt mir fast das Herz stehen. Irgendwann gewöhne ich mich daran und freue mich sogar, sie zu sehen. Aber man muss ganz schön aufpassen, eine Kollision mit so einem Riesen ist keine schöne Vorstellung.

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Kanaha Beach in Kahului, beliebtester Kite Spot in Maui

Meine weiteren Tage in Maui vergehen mit einem Wechsel aus Kitesurfen und Unternehmungen. Ich bin froh, dass das Wetter endlich besser ist, die Sonne strahlt vom stahlblauen Himmel und der Wind ist perfekt zum Kiten. Trotzdem bin ich einige Tage nicht am Kitebeach, um mir ein bisschen die Insel anzuschauen. Eine Fahrt Richtung Süden führt mich erst zum Big Beach, einem meiner absoluten Lieblingsstrände auf Maui und dann weiter bis ins Ahihi-Kinau Natural Area Reserve und La Perouse Bay, wo ich den Hoapili Trail entlang der schroffen Felsküste durch alte Lavafelder wandere. Auch wenn es über 200 Jahre zurück liegt, dass hier zuletzt ein Lavastrom floss, so ist der Anblick doch immer noch beängstigend.

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unterwegs in La Perouse Bay, Hoapili Trail durch Lavafelder

Ein zweitägiger Ausflug führt mich bis ganz in den Osten von Maui, nach Hana. Im Norden von Maui führt die berühmte „Road to Hana“ von Kahului bis nach Hana. Auf 103 km entlang Mauis Nordküste passiert man 54 Brücken und knapp 600 Haarnadelkurven. Sie gilt als eine der schönsten Panoramastraßen der Welt. Die meisten fahren diese nördliche Route sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg. Ich entscheide mich, dass ich über die südliche Strecke über Kaupo nach Hana fahren werde und über die nördliche Strecke zurück nach Kahului. Ganz sicher bin ich mir dabei nicht, denn die südliche Strecke ist teilweise nicht asphaltiert und die Straßen sollen in einem schlechten Zustand sein. Ich gehe das Risiko ein und werde nicht enttäuscht. In der Tat sind ungefähr 20 bis 25 km auf dieser Strecke eher ein holpriger Feldweg als eine Straße, aber ich lasse mir genügend Zeit und genieße die Fahrt in vollen Zügen. Ich halte oft an und bestaune den Pazifischen Ozean und die traumhafte Landschaft Mauis, der Anblick ist einfach großartig.

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südliche Strecke nach Hana

Etwas südlich von Hana befindet sich der Kipahulu Campingplatz, wo ich die Nacht verbringe. Vom Campingplatz wandere ich zu den Makahiku Wasserfällen und zu den Waimoku Wasserfällen, teilweise durch dichten, üppig grünen Bambuswald, es ist echt herrlich.

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Waimoku Falls

In Hana verbringe ich den Vormittag am „Red Sand Beach“, der ebenfalls einer meiner Lieblingsstrände auf Maui ist. Man gelangt nur über einen schmalen Pfad und etwas Kraxelei zum Strand und befindet sich dann in einer kleinen geschützten Bucht mit dunkelrotem Sand und glasklarem Wasser.

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Red Sand Beach in Hana

Auf dem Rückweg von Hana nach Kahului regnet es oft und ich gehe die kurvenreiche Strecke langsam an. An Mauis North Shore ist das Wetter dann wieder besser und ich mache einen Stop am Hookipa Beach Park, einer der beliebtesten Strände unter Surfern, Windsurfern und Kitesurfern. Nach einer Pause fahre ich noch weiter bis zum Kanaha Beach Park in Kahului und entscheide mich für eine Nachmittags Kite Session, die super viel Spaß macht. In der Nacht parke ich wieder am Baby Beach und werde zum zweiten Mal seit ich auf Maui bin von der Polizei geweckt. Der Platz sei nicht sicher, es gäbe viele Einbrüche … genau das, was man als allein reisende Frau nachts um 2 Uhr hören will. Naja, der Polizist ist nett und hilfsbereit und empfiehlt mir einen öffentlichen Parkplatz, wo ich mich für den Rest der Nacht ausnahmsweise hinstellen darf.

Die letzten Tage in Maui vergehen mit einem entspannten Tag am wunderschönen Baldwin Beach im Norden Mauis. Hier liegen immer wieder Meeresschildkröten im Sand und entspannen in der Sonne. Außerdem fahre ich nochmal nach Lahaina und buche einen zweistündigen Surfkurs. Maui kann ich einfach nicht verlassen, ohne auf einem Surfbrett gestanden zu haben. Nach ein paar Versuchen klappt es auch schon ganz gut und es macht riesig Spaß. Das werde ich definitiv nochmal machen!

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Auf dem Rückweg halte ich nochmal im Puamana Beach Park und entspanne in meiner Hängematte. Nur ein paar Meter entfernt schläft eine große Robbe im Sand, was für ein schöner Moment.

Am vorletzten Tag auf Maui wandere ich ins Iao Tal und genieße tolle Ausblicke auf zahlreiche Wasserfälle und die grünen Berge Mauis. Die Landschaft auf Maui ist unheimlich abwechslungsreich und durch die vielen Regenfälle ist alles satt und grün, was mir super gut gefällt.

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Iao Valley

Am Nachmittag will ich das letzte Mal aufs Wasser und am Kanaha Beach Park ist kaum etwas los. Mit dem 8 m² Kite genieße ich meine letzten beiden Kite Sessions auf Maui und muss leider auch ein Self Rescue durchführen, weil nach einem missglückten Sprung die Leinen verheddert sind und ich den Kite nicht mehr fliegen kann. Ich bin ganz schön weit draußen, aber es gelingt mir zum Glück, die Leinen aufzuwickeln und mit dem Kite als Segel zum Strand zurück zu treiben. Das will ich echt nicht gleich wieder erleben.

Meine letzte Nacht in Maui verbringe ich wieder im Maalaea Harbor, wo ich die meisten Nächte verbracht und mich am sichersten gefühlt habe. Und tatsächlich werde ich zum dritten Mal mitten in der Nacht von der Polizei geweckt. Bevor die mich überhaupt irgendetwas fragen können, platze ich gleich damit heraus, dass ich morgen abreise, in der Hoffnung, dass sie mich in Ruhe lassen. Nach der üblichen Predikt, dass man auf Maui von 18 Uhr bis 6 Uhr nicht im Auto schlafen darf und das es nicht sicher sei, ziehen sie ab und ich bin irgendwie froh, dass das Campingabenteuer am nächsten Tag ein Ende nimmt.

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Maui war für mich ein richtiges Abenteuer, mit dem Camper Van unterwegs zu sein hat Vor- und Nachteile. Letztendlich bin ich froh, dass ich dank des Autos mobil war und so viel von Maui sehen konnte. Das Highlight war für mich die zweitägige Tour nach Hana, der Osten Mauis ist für mich definitiv der schönste Teil der Insel. Die traumhaften Strände und das kristallklare Wasser werde ich lange in Erinnung behalten und hoffe, irgendwann nochmal nach Hawaii zurück zu kehren, um auch die anderen Inseln besuchen zu können.

1 Kommentar zu „Maui – Liebe auf den zweiten Blick

  1. Hans Matern 9. Juli 2018 — 7:53

    Liebe Romy,

    Deine Berichte sind sehr interessant zu lesen und begeistern! Die Fotos sind genial, voller Impressionen. Ich freue mich für Dich „ die Welt steht uns offen“.
    Weiter so und immer den optimalen Wind.
    Es gab im TV mal eine Fernsehserie:
    „Wohin der Wind uns weht“

    In diesem Sinne, alles erdenklich Gute,
    viel Spaß, eine genußvolle und nicht fremdgesteuerte Zeit!

    Beste Grüße- Hans aus Berlin

    Liken

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