Meinen Kitetraum leben

Nach zehn wunderschönen Tagen mit meiner Zwillingsschwester brauche ich ein paar Tage, um den Abschied zu verdauen. Ich bin froh, dass in Cabarete immer etwas los ist und Ablenkung eigentlich nie lange auf sich warten lässt. Fast jeden Nachmittag gehe ich für ein oder zwei Kite Sessions aufs Wasser, der Wind bläst verlässlich bis in den späten Nachmittag, oft sogar bis zum Sonnenuntergang.

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Mit Nadine am Kitespot in Cabarete

Mit Kathrin, Nadine und einigen anderen Mädels fahre ich nochmal zu Tommy’s Ranch in Gaspar Hernandez und wir erleben gemeinsam einen tollen langen Ausritt bis zum Sonnenuntergang. In der Gruppe sind auch einige Mädels, die zum ersten Mal auf einem Pferd sitzen. Nach etwas Eingewöhnung sind alle sattelfest und es geht immer mal wieder im rasanten Galopp durch die dominikanischen Berge. In Deutschland unvorstellbar, aber hier wird der Kindheitstraum eines jeden Mädels wahr. Erst im Dunkeln sind wir zurück an der Ranch und lassen den Abend bei einem fantastischen dominikanischen Abendessen ausklingen.

Nach ein paar Kite Tagen in Cabarete ist Zeit für eine Abwechslung und ich fahre gemeinsam mit Kathrin und Stephan, der ebenfalls einige Wochen zum Kiten in Cabarete ist, nach Jarabacoa. Das ist ein kleiner Ort in den Bergen, etwa 2 Stunden Fahrt von Cabarete entfernt. Hier ist das Klima etwas kühler und der Ort wird wegen seines Landschaftsbildes sogar als „die Schweiz der Dominikanischen Republik“ bezeichnet. Mit einem Mietauto fahren wir nach Jarabacoa und checken im Hostel ein. Im ganzen Ort gibt es wohl ein Problem mit den Wasserleitungen und die Duschen können nicht benutzt werden. Ja, sowas kommt hier schon mal vor … aber zumindest bekommen wir dadurch das Zimmer etwas günstiger. Im Ort suchen wir uns schnell eine Gelegenheit für einen kleinen Snack und machen uns dann auf den Weg zu den Jimenoa Wasserfällen. Eine kurze Wanderung führt uns bis zum großen Wasserfall und wir sind tatsächlich ganz allein an diesem schönen, ruhigen Ort und entspannen ein paar Stunden im kühlen Wasser und in der warmen Sonne.

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Jimenoa Wasserfall in Jarabacoa

Zurück im Hostel nehmen wir Kontakt mit einem Anbieter für Paragliding auf, denn das hat man uns hier in Jarabaco wärmstens empfohlen. Tatsächlich sind wir nur Minuten später schon auf dem Weg zum Treffpunkt und sind alle drei ganz schön aufgeregt. Es ist etwas bewölkt, windig und immer wieder regnet es ganz leicht. Nicht gerade die besten Bedingungen fürs Paragliding, deshalb sind wir nicht gerade optimistisch, dass wir tatsächlich fliegen werden. Unsere 3 dominikanischen Tandemmaster beladen den Pickup und über holprige Pisten geht es hoch hinaus. Die letzten Meter gehen wir zu Fuß und schon wird das ganze Material ausgebreitet und für unseren Abflug vorbereitet. Kathrin startet zuerst und schon nur vom Zuschauen bekomme ich ein richtiges Kribbeln im Bauch. Ich bin die nächste und schneller als gedacht bin ich ebenfalls in der Luft und genieße das fantastische Gefühl, über Jarabacoa zu fliegen. Der Flug dauert ungefähr 20 Minuten bevor wir sanft auf einer großen Wiese landen. Das war absolut fantastisch und eines meiner schönsten Erlebnisse in der Dominikanischen Republik.

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Paragliding in Jarabacoa

Am zweiten Tag entscheiden wir uns für eine Wanderung zum „El Mogote“ Gipfel in Jarabacoa und kommen bei zum Teil super steilen Anstiegen ganz schön ins Schwitzen. Zum Glück verlaufen große Teile der Strecke im Wald, sodass wir nicht in der prallen Sonne laufen müssen. Nach ca. zwei Stunden erreichen wir den Gipfel, auf dem sich ein großer alter Wachturm befindet. Von hier beobachtet ein sogenannter „fire watchman“ die umliegenden Berge und hält nach möglichen Bränden Ausschau. Stephan kann zum Glück ganz gut spanisch, sodass wir uns mit dem alten Herrn ein bisschen unterhalten können. Nach einer Pause gehen wir über den selben Weg wieder zurück zum Auto und machen uns auf den Heimweg nach Cabarete, natürlich mit einem Zwischenstop an einem der vielen Kokosnuss Stände.

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Mit Kathrin und Stephan auf dem El Mogote in Jarabacoa
Cabrete ist einer von mehreren Austragungsorten des sogenannten „Butterfly Effect Events“, einer weltweiten Bewegung für Frauen, um gemeinsam für einen guten Zweck einen Tag voller wassersportlicher Aktivitäten zu verbringen. Seit 2007 finden die Events in mittlerweile 19 Ländern weltweit statt, Cabarete ist dieses Mal schon das zehnte Mal in Folge Austragungsort. Als ich davon erfahre, bin ich sofort Feuer und Flamme und melde mich für den Event an. Am Veranstaltungstag treffen sich alle Ladies gleich früh am Morgen zu einer gemeinschaftlichen Yoga Session, bevor uns ein Bus zum Yasica River bringt, auf dem wir alle gemeinsam auf Stand Up Paddle Boards oder in Kayaks hinunter bis nach „La Boca“ paddeln. Bei unserer Ankunft in „La Boca“ erwartet uns ein leckerer Snack und frisches Obst, sodass sich alle für den weiteren Tag stärken können. Alle Mädels bauen ihr Kite- oder Windsurf Equipment auf und dann geht es gemeinsam downwind zurück bis nach Cabarete. Ziel ist das große Millenium Resort in Cabarete, wo wir im Anschluss bei einer Pool Party den fantastischen Tag ausklingen lassen. Ein großartiger Tag mit wundervollen Menschen und fantastischen Erlebnissen, für mich wieder ein richtiges Highlight und ich bin dankbar, dass ich das miterleben konnte.

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Ungefähr 80 Teilnehmerinnen beim Butterfly Effect in Cabarete

Schon seit Beginn meiner Reise freue ich mich auf ein bevorstehendes Ereignis in Cabarete. Ich habe mich für ein Kite Camp bei „Uncharted Kite Sessions“ angemeldet. Andreas Lagopoulos, der Gründer von „Uncharted Kite Sessions, organisiert Kite Camps mit professionellen Kitesurfern und in Cabarete findet dieses Jahr das fünfte Mal in Folge ein einwöchiges Camp mit Kevin Langeree statt, amtierender Red Bull King of the Air und einer der weltbesten Kitesurfer. Die Möglichkeit von ihm zu lernen ist für mich eine Ehre und ich freue mich unglaublich auf die anstehenden Camp Tage in Cabarete. In der Gruppe sind weitere sechs Personen, drei waren sogar 2017 schon beim Camp mit Kevin dabei. Der erste Tag beginnt mit Kennenlernen und Beschnuppern, Kevin und Andreas wollen natürlich erstmal herausfinden, auf welchem Level sich die Teilnehmer befinden und woran jeder gerade arbeitet. Zum Glück ist das „Könner Level“ bei allen 7 Campern recht ähnlich, was ich super finde. Weil der Wind am ersten Tag nicht besonders stark ist, bekommen wir am Strand Kiteflug Stunden und üben im Wasser Kiteloops. Am nächsten Tag geht es dann endlich bei genug Wind mit Brett aufs Wasser und über Headsets werden wir abwechselnd von Andreas und Kevin geschult. Am Anfang ist es total seltsam für mich, während meiner Kite Session ständig mit jemandem zu sprechen, aber ich gewöhne mich recht schnell daran und dank dieser Technik bekommen wir sofort nach jedem Manöver Rückmeldung von den Coaches und entsprechende Verbesserungsvorschläge. Mit im Team ist auch Oliver, ein professioneller Photograph. Er nimmt unsere Sessions auf Video auf und jeden Vormittag wird eine umfangreiche Videoanalyse gemacht.

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Kiteflug Stunden am Kite Beach mit Andreas und Kevin
An zwei Tagen fahren wir zusammen nach „La Boca“, um auf Flachwasser zu üben. Für mich sind das die zwei besten Tage vom Camp. Der Wind ist super und wir haben den Spot für uns allein. Dank der tollen Bedingungen mache ich beim Springen große Fortschritte und es macht einfach riesig viel Spaß. Die bunte Truppe passt super gut zusammen und wir genießen die gemeinsamen Sessions auf dem Wasser und lange, entspannte Abende bei fantastischem Essen in den besten Restaurants von Cabarete.

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von links: Fred, John, GeeGee, Kevin, Andreas, Stu, Darren, Gijs
Die Woche geht leider viel zu schnell vorbei und außer mir reisen alle Camp-Teilnehmer auch schon wieder ab. Es waren großartige Tage mit Spaß und Arbeit auf dem Wasser und jeder konnte für sich tolle Fortschritte machen. Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte und im Camp herzliche Mitstreiter kennenlernen durfte, die genauso wie ich das Kitesurfen lieben.

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nach der letzten Kite Session mit King of the Air Kevin Langeree

In meiner letzten Woche in der Dominikanischen Republik mache ich mich gemeinsam mit Nadine, Stephan und Kevin für zwei Tage auf den Weg nach Buen Hombre, einem Flachwasser Kitespot, der an der Nordküste liegt, etwa 3,5 Stunden westlich von Cabarete. Die Fahrt ist lang, aber die Anreise lohnt sich. Buen Hombre ist wunderschön, durch diverse Riffe hat das Wasser unterschiedliche Blautöne und die dominikanischen Berge umrahmen die herrliche Bucht. Gegen Mittag kommen wir in Buen Hombre an und der Wind bläst bereits auf Hochtouren. Später am Nachmittag legt der Wind sogar nochmal ordentlich zu, sodass ich endlich mal wieder meinen kleinen 5 m² Kite fliegen kann. Am Spot befindet sich zur Übernachtung lediglich ein kleines Camp mit einfachen Holzhütten. Weil tatsächlich alles ausgebucht ist, machen wir es uns in den Hängematten bequem und verbringen die Nacht bei Meeresrauschen unter freiem Himmel. Am nächsten Tag kommen wir windtechnisch nochmal voll auf unsere Kosten und fahren erst am späten Nachmittag nach Cabarete zurück.

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Flachwasser Kitespot in Buen Hombre

Die sechseinhalb Wochen in Cabarete vergehen einfach viel zu schnell. Jeder Tag ist spannend und bringt etwas Neues. Alle zwei bis drei Tage gehe ich gleich in der Früh zur Yoga Stunde bei Molly und genieße es, beim ausgiebigen Streching mit einer bunt gemischten Gruppe gemeinsam in den Tag zu starten. Eine der Teilnehmerinnen bringt immer ihren kleinen Chihuahua Ninja mit. Eigentlich sind Hunde in meiner Gegenwart nie besonders zutraulich oder anhänglich, aber die kleine Ninja weicht 75 Minuten nicht von meiner Seite, was die Yoga Session zu einer besonderen Challenge macht.

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Wie auch in allen bisherigen Ländern, die ich seit Februar bereist habe, ist das Kitesurfen natürlich nur eine Seite der Medaille. So richtig schön ist es am Kitespot oder beim Downwinder erst, wenn man mit den richtigen Leuten zusammen ist und davon habe ich in Cabarete gleich mehrere getroffen. Der gemeinsame Wassersport schafft von der ersten Minute an eine freundschaftliche Basis und es tut einfach unheimlich gut, viel Zeit mit Gleichgesinnten zu verbringen. Und das nicht nur auf dem Wasser, sondern auch bei einem gemütlichen Frühstück, einem Ausflug oder einem entspannten Dinner am Strand. Ich bin sehr dankbar für alle inspirierenden Begegnungen in Cabarete und freue mich darauf, einige dieser Menschen an anderen Kitespots wiederzusehen.

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mit Nadine und Kathrin am Kitespot in Cabarete

Jede Destination auf meiner Reise habe ich mit einem weinenden Auge verlassen. In Cabarete fällt es mir besonders schwer. Tatsächlich könnte ich mir sogar vorstellen, hier eine Zeit lang zu leben. Ob das jemals passieren wird, weiß ich nicht, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich zurück kehren werde.

2 Kommentare zu „Meinen Kitetraum leben

  1. Martina Bochmann 15. Oktober 2018 — 10:27

    So schee!!
    Und plötzlich vergeht die Zeit schnell, oder? Verlängerst Du?????? :O))))))))))
    Nice Day!
    Martina

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    1. Am liebsten würde ich 🙂 es ist einfach toll und ich genieße jeden Tag! Mag noch gar nicht übers Heimkehren nachdenken.

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