Rio de Janeiro – Citytrip in Brasilien

Zum Ende meines dreimonatigen Aufenthaltes in Brasilien mache ich einen viertägigen Abstecher nach Rio de Janeiro. Im Bada Hostel in Cumbuco habe ich Barbara kennengelernt, sie lebt in Rio und bietet mir an, bei ihr zu übernachten. So buche ich einen Hin- und Rückflug ab Fortaleza und kann mein Kite-Equipement im Bada Hostel in Cumbuco lassen. Nach vielen Flügen in den letzten 8 Monaten checke ich zum ersten Mal nur mit Handgepäck ein und genieße das stressfreie, reibungslose Prozedere am Flughafen.

Ich lande am 17. Oktober nachmittags in Rio und finde gleich den Schnellbus, der mich in etwa 1,5 Stunden direkt bis zur Copacabana bringt. Barbaras Wohnung befindet sich ganz in der Nähe der Copacabana, für einen Citytrip natürlich ein hervorragender Ausgangspunkt. Barbara ist noch im Büro, ihr Mitbewohner Thiago begrüßt mich und ich lerne Macaxeira kennen, die zweijährige Hündin von Barbara, die vor Freude über Besuch auf und nieder springt und durch die ganze Wohnung auf und ab rennt, bis Thiago sie mit viel Mühe zur Ruhe bringt. Was für ein Energiebündel. Inzwischen ist es Abends und bereits dunkel, aber ich möchte trotzdem noch einen ersten Eindruck von Rio bekommen und mache mich zu Fuß auf den Weg, um eine Kleinigkeit zu essen. Ich bin noch keine fünf Minuten unterwegs, da fängt es wie aus Kübeln an zu regnen. Ich suche Schutz unter einem Vordach und harre eine ganze Weile aus, bis es sich halbwegs beruhigt hat … na das ist ja eine tolle Begrüßung in der Stadt, von der man immer nur sonnige Strandbilder sieht. Ich flüchte recht schnell in ein kleines Lokal, bestelle einen Salat und plane ein bisschen, was ich in den nächsten drei Tagen in Rio machen möchte.

Nach einer erholsamen Nacht treffe ich mich gleich am frühen Morgen mit Joachim aus Schweden, den ich vor ein paar Wochen in Cumbuco im Bada Hostel kennengelernt habe. Er ist schon seit einigen Tagen in Rio und wir wollen gemeinsam eine Tour zum Pedra do Telégrafo machen, einem durch spektakuläre Fotos bekannt gewordenen Felsvorsprung. Wir bestellen ein Uber Taxi und fahren ca. 50 Km bis nach Barra de Guaratiba, wo sich am Guaratiba Beach der Ausgangspunkt zur etwa 40-minütigen Wanderung befindet. Beim zum Teil recht steilen Aufstieg durch Wälder schwindet unsere Hoffnung auf einen tollen Ausblick vom Pedra do Telégrafo, denn es ist wolkig und trüb und eine Besserung ist nicht in Sicht. Fast am Ziel angekommen, treffen wir auf eine Gruppe Israelis, die aufgrund der nicht vorhandenen Aussicht sogar glauben, sie seien womöglich auf dem falschen Berg. Nach etwa 3/4 des Wegen zweigt der Pfad links ab und es geht noch wenige hundert Meter bergab, bis wir den berühmten „Foto-Felsen“ entdecken und glücklicherweise die Wolkendecke ein wenig aufreißt. Einige Leute sind bereits vor uns am Felsen und es bildet sich eine Schlange für ein spektakuläres Foto am Pedra do Telégrafo. Während wir auf unsere Gelegenheit warten, klart es immer weiter auf und letztendlich kommt sogar ein wenig die Sonne heraus, wir haben richtig Glück. Wir machen ein paar Aufnahmen am Felsen und mit dem richtigen Winkel ist es tatsächlich die perfekte Illusion und sieht so aus, als ob man hunderte von Metern über dem Meer an einem steilen Cliff hängt.

am Pedra do Telégrafo

Wir wandern zurück zum Strand und machen uns wieder mit einem Uber Taxi auf die Rückfahrt nach Rio. Eigentlich will ich am Nachmittag noch auf den Zuckerhut, aber Macaxeira winselt mich so freudestrahlend an, dass ich mich gegen das Touri-Programm und für einen langen Spaziergang mit Hund entlang der Copacabana entscheide. Es ist faszinierend, wie sich das Leben in Rio am Strand abspielt. Hunderte von Menschen entspannen hier, spielen Volleyball, joggen, spazieren, fahren Rad, essen, trinken, genießen das bunte Treiben. Einfach entlang zu laufen und das alles zu Beobachten ist spannend und im Nu sind wir fast vier Kilometer bis zum Ende der Copacabana geschlendert. Am Abend treffe ich mich mit Barbara und Joachim und wir gehen im Stadtteil Urca in die bekannte und beliebte Bar Urca, wo man sich auf die Hand ein paar typisch brasilianische Pasteis (gefüllte Teigtaschen) und ein Bier holt und dann einfach auf einer Mauer mit herrlichem Ausblick über die Guanabara Bucht und Rio sitzt und quatscht.

Copacabana

Am nächsten Tag mache ich mich schon früh auf den Weg zur wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit in Rio de Janeiro, der monumentalen Christusstatue auf dem Berg Corcovado. Nur wenige Gehminuten von Barbaras Wohnung befindet sich ein Ticketoffice und Abfahrtsort für den Bus, der mich bis auf den Berg hinauf bringt. Es ist sehr wolkenverhangen und die gigantische Statue verschwindet fast im diesigen Grau. Zum Glück ist der Menschenandrang noch überschaubar, die Wolkendecke reißt etwas auf und ich lasse mir Zeit, den Ausblick über Rio zu genießen und einige Fotos zu machen. Die Statue ist 30 Meter hoch (die sechsthöchste Christusstatue der Welt) und aus der Nähe absolut gigantisch. Es ist witzig anzuschauen, wie viele Leute auf dem Boden liegend versuchen, den Christus komplett aufs Bild zu kriegen, was gar nicht so einfach ist.

Christusstatue auf dem Corcovado Berg

Mit dem Bus fahre ich zurück zur Copacabana, laufe ein Stück bis zur U-Bahn Haltestelle und fahre dann ins Zentrum von Rio. Als ich die U-Bahn Haltestelle verlasse, erschlägt mich fast der Trubel auf der Straße. Zwischen zahlreichen Geschäften haben unzählige Straßenhändler ihre Stände aufgebaut und verkaufen einfach alles, was man sich nur vorstellen kann. Hunderte von Menschen schlendern durch die Straßen, es ist hektisch und laut. Ich bahne mir meinen Weg durch das verrückte Treiben Richtung Confeitaria Colombo, einem historischen und sehr bekannten Café in Rio, wo man allerlei typisch brasilianische Teilchen und Gebäckstücke bekommen kann. Das historische Ambiente mit riesigen Spiegeln und der über 100 Jahre alten Einrichtung ist eindrucksvoll und auch ohne den Genuss der Leckereien lohnt sich ein Besuch. Ich hole mir zwei Teilchen zum Mitnehmen und mache mich auf den Weg zum Museu do Amanha (Museum of Tomorrow). Das Museum befindet sich direkt am Wasser neben dem Maua Pier. Eindrucksvoll mit zahlreichen interaktiven Elementen führt das Museum durch die Geschichte des Menschen und seinen Einfluss auf die Erde. Die Ausstellung regt zum Nachdenken an, was „Morgen“ mit uns und unserem Planeten geschieht, wenn sich die Menschheit und vorallem unser Konsumverhalten so rasant wie bisher weiter entwickelt.

Museu do Amanha

In der Nähe vom Museum mache ich eine Mittagspause und schnappe mir anschließend zum ersten Mal ein Leihrad von einer der vielen „Itau Bike“ Stationen in Rio de Janeiro. Finanziert durch die Bank Itau gibt es in ganz Rio Fahrrad Stationen, an denen man ein Rad entnehmen und es an jeder beliebigen anderen Station wieder abstellen kann. Über eine App am Handy bekommt man einen Code, mit dem man das Rad aus der Halterung freischalten und entnehmen kann. Die erste Stunde ist sogar kostenfrei und danach kostet es nur ungefähr 1 EUR pro Stunde. Ich finde das absolut klasse, so etwas sollte es in jeder Großstadt geben. Ich fahre mit dem Rad am Hafen entlang, bis zu Eduardo Kobra’s Graffiti „Etnias“, welches mit 15 Metern das weltweit größte Graffiti ist. In Rio de Janeiro wird street art in allen Formen und Farben gelebt und immer wieder entdecke ich tolle Kunstwerke in der ganzen Stadt.

größtes Graffiti der Welt in Rio de Janeiro

Mit dem Rad fahre ich noch weiter bis zur sogenannten „Escadaria Selarón“, einer weltbekannten Treppe, die die Stadtteile Lapa und Santa Teresa miteinander verbindet. Der Chilenische Künstler Jorge Selarón hat die Treppe als „Tribut für die Brasilianer“ gebaut und dabei tausende von verschiedenen, bunten Keramikfliesen verwendet. Sie gilt als die schönste Treppe der Welt. Reisende aus aller Welt haben zum Entstehen der Treppe beigetragen, in dem sie Keramikteile aus ihren Heimatländern mit nach Rio gebracht haben, so kamen über 2.000 Teile aus 60 verschiedenen Ländern zusammen.

Escadaria Selarón

Es ist bereits Nachmittag, als ich mich auf den Rückweg Richtung Copacabana machen will. Der nächste Anlauf zum Zuckerhut fällt erneut flach, weil es anfängt in Strömen zu regnen und so mache ich mich auf den Heimweg und lasse den Abend ruhig ausklingen. An meinem letzten Tag in Rio zeigt sich das Wetter von der guten Seite und bei blauem Himmel und Sonnenschein mache ich mich auf den Weg zum Zuckerhut. Zwei Gondeln führen von der Halbinsel Urca hinauf auf den 396 m hohen Glockenberg, der neben der Christusstatue als Wahrzeichen Rio de Janeiros gilt. Bis zur Mittelstation möchte ich zu Fuß gehen und finde recht schnell den ausgewiesenen Wanderweg, über den man bei großartiger Aussicht in etwa 40 Minuten bis zur Mittelstation gelangen kann. Auf halbem Wege zweigt etwas versteckt ein Pfad in den Wald ab, den ich doch tatsächlich verpasse. Ich laufe einfach immer weiter auf dem befestigten Weg und lande irgendwann an einem Schild, dass darauf hinweist, dass der Weg hier endet und der weiterführende Pfad nur zu Kletterrouten führt. Ich bin etwas irritiert, checke meine Karte am Handy und bemerke meinen Fehler. Auf meiner Karte ist aber ab hier eine Linie bis hinauf zum Zuckerhut eingezeichnet und so zögere ich nicht lang, lasse das Schild hinter mir und folge dem schmalen Pfad durch dichten Wald. Nach viel Kraxelei entscheide ich mich irgendwann wieder umzukehren, weil es zu steil wird und kein Pfad mehr zu erkennen ist, aber die Aussicht von hier ist gigantisch und ich bin froh, dass ich diesen kleinen Abstecher gemacht habe.

Zurück zur zuerst verpassten Abzweigung gelange ich nun doch noch über den eigentlichen Weg hinauf zur Mittelstation und nehme von dort die zweite Gondel bis auf den Gipfel. Die Aussicht ist sagenhaft. Ich bin so froh, dass ich erst heute hier hoch gekommen bin, denn das Wetter ist fantastisch und die Aussicht über ganz Rio bis zur Copacabana und bis hoch zur Christusstatue ist einfach gigantisch. Erst nach langer Zeit und vielen Fotos reiße ich mich los und mache mich zunächst mit der Gondel und ab der Mittelstation zu Fuß auf den Abstieg zurück nach Urca. Das war definitiv das schönste Erlebnis in Rio!

gigantischer Ausblick über Rio de Janeiro vom Zuckerhut

Mit dem Bus fahre ich zurück zur Copacabana und bin ganz schön fußlahm. Laufen möchte ich heute nirgendwo mehr hin. Barbara ist Zuhause und wir entscheiden uns, mit den „Itau Bikes“ an der Copacabana und Ipanema entlang zu radeln. Wir machen unterwegs einen kurzen Stop am „Arpoador“, einer Halbinsel, die Copacabana und Ipanema voneinander trennt und der beliebteste Treffpunkt zum Sonnenuntergang in Rio ist. Hier ist einer der sehr wenigen Orte in Brasilien, wo man die untergehende Sonne manchmal über dem Meer und nicht über dem Land sehen kann und sobald die Sonne verschwunden ist, gibt es einen großen Applaus. Zum Abschluss gehen wir zusammen ein großes Acai essen und Barbara bringt mich gemeinsam mit Macaxeira zum Bus, mit dem ich zurück zum Flughafen gelange.

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Halbinsel Arpoador zwischen Copacabana und Ipanema

Erst nachts um 1 Uhr lande ich in Fortaleza, bestelle ein Uber Taxi und falle gegen halb 3 im Bada Hostel todmüde ins Bett. Rio war definitiv eine Reise wert und ich bin froh, dass ich den Abstecher gemacht habe. Entgegen aller Warnungen im Vorfeld habe ich mich nicht unsicher gefühlt. In vielen Stadtteilen Rios herrscht große Armut und immerzu sieht man Einheimische, die mitten auf der Straße mit dem Verkauf von Snacks oder Getränken versuchen, etwas Geld zu machen. Die Mittellosigkeit ist hier sehr offensichtlich und führt zwangsläufig zu vielen Raubüberfällen etc. Ich war stets sehr vorsichtig, habe außer meinem Handy, einer Wasserflasche und etwas Bargeld gar nichts bei mir getragen, auch keine Uhr oder Schmuck. Ob Rio de Janeiro, New York oder andere Großstädte, mit gesundem Menschenverstand und der entsprechenden Vorsicht kann man den Besuch dieser Metropolen trotz der vielen Vorurteile genießen, ohne dass einem etwas passiert.

Meine letzten 3 Tage in Brasilien verbringe ich in Cumbuco und schlage mich leider mit einer Erkältung herum, die ich mir durch die überall laufenden Klimaanlagen in Rio eingefangen habe. Natürlich will ich unbedingt noch ein letztes Mal aufs Wasser und begleite eine Gruppe aus dem Bada Hostel nach Lagoinha. Am letzten Tag in Cumbuco gehe ich nochmal auf dem Meer kiten, bevor ich mein ganzes Equipment nach drei großartigen Monaten verpacken und für die Weiterreise fertig machen muss.

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Sonnenuntergang in Lagoinha

Brasilien ist mit seiner großen Vielfalt an fantastischen Kitespots zu meinem Lieblingsland fürs Kitesurfen geworden und ich bin überglücklich über die großartige Zeit, die ich hier verbringen durfte.

3 Kommentare zu „Rio de Janeiro – Citytrip in Brasilien

  1. Romy,

    voller Freude habe ich wieder einmal Deine Berichte verfolgt, wie schön, was Du alles erlebst, wen Du auf Deiner Reise so triffst und wie sehr Du alles zu genießen scheinst. Vielen Dank für die steten Updates, so reist man in Gedanken ja fast ein bisschen mit! Viele liebe Grüße an Dich, denke oft an Dich, bis bald hoffentlich, Britta

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    1. Danke liebe Britta!! Heute geh ich auf Sal zum ersten Mal Kiten, bin schon gespannt. Drück dich!! Romy

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