Unterwegs auf der Garden Route in Südafrika

Nach sechs Wochen in und um Kapstadt möchte ich gerne noch mehr von Südafrika sehen und mache mich am 13. Januar 2019 mit einem Mietauto auf den Weg, um die berühmte Garden Route zu erkunden, ein einmaliges Naturparadies an der Südküste Afrikas. Die offizielle Garden Route erstreckt sich zwischen den Küstenorten Mossel Bay und Port Elizabeth, inoffiziell zählen viele aber auch schon die Strecke ab Kapstadt bis nach Mossel Bay dazu. Den Namen bekam die Garden Route, weil hier eine unheimlich große Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren und unzählige Flüsse und Seen zu finden sind. Die Garden Route ist ein grünes Paradies mit tropischen Wäldern, endlosen weißen Sandstränden, tiefen Schluchten und riesigen Lagunen, für jeden Naturliebhaber also ein absolutes Muss.

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unterwegs auf der Garden Route zwischen Kapstadt und Port Elizabeth

Während meiner geplanten zwei Wochen auf der Garden Route will ich mich einfach treiben lassen, Unterkünfte an den Küstenorten immer von Tag zu Tag buchen und dort, wo es mir gut gefällt, auch mal eine Nacht länger bleiben. Natürlich nehme ich mein Kite Equipment mit, will in den nächsten zwei Wochen aber nicht vorrangig Kitesurfen, sondern nur wenn es sich zufällig auf der Strecke ergibt.

Den ersten Stopp mache ich in Hermanus (Blouberg – Hermanus, 130 Km), der Welthauptstadt der Whale-Watcher. Von einem zweitägigen Kite Trip im Dezember kenne ich Hermanus bereits und mache mich nach dem Check-In im Gästehaus Zoete Inval Traveller’s Lodge gleich auf den Weg zum Kite Spot an der Klein River Lagoon. Es ist schon spät, viele Kitesurfer packen schon ihre Sachen zusammen, aber noch ist der Wind stark genug für meinen 12 m² Kite und unverhofft komme ich gleich am ersten Tag zu einer wunderschönen Kite Session auf dem Flachwasser Spot in Hermanus.

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Am Kite Spot in Hermanus

Im Gästehaus Zoete Lodge gibt es zwei Schlafsäle, einen mit 8 und einen mit 6 Betten. Ich bin im 6-Bett Zimmer einquartiert und bleibe in dieser Nacht die einzige. Am nächsten Tag mache ich mich auf den Weg zum Fernkloof Nature Reserve und entscheide mich für die Wanderung zum Aussichtspunkt am Galpin Hut. Ungefähr zwei Stunden dauert der Aufstieg über schmale, steinige Pfade quer durch das wunderschöne Nature Reserve. Unterwegs begegne ich keiner Menschenseele und genieße die Ruhe und die wunderschönen Aussichten bis hin zum Strand in Hermanus. Unterwegs komme ich sogar an einer Wasserquelle vorbei, was hier in dieser trockenen Gegend wie eine Oase wirkt, absolut fantastisch. Nach einer Pause am Gipfel trete ich den Rückweg an und sehe unterwegs in der Ferne den aufsteigenden Rauch eines Buschbrandes, die in dieser Zeit des Jahres leider sehr häufig in Südafrika auftreten. Eine weitere Kite Session in Hermanus bleibt mangels Wind leider aus, aber ich relaxe einige Zeit am schönen Grotto Beach, wo kaum etwas los ist und man einfach herrlich in der Sonne liegen und entspannen kann.

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Wanderung im Fernkloof Nature Reserve, in der Ferne ein Buschbrand

Zurück im Gästehaus fängt mich die Hausherrin ab und berichtet, dass am Abend acht Fire Fighters ins Gästehaus kommen und im Schlafsaal übernachten werden. Sie quartiert sie im 8er Schlafsaal ein, sodass ich weiterhin allein im 6er Schlafsaal bin. Falls noch mehr dazu kommen, würde sie mich in ein Privatzimmer upgraden. Wenn sie nur wüsste, wie viele Nächte ich im letzten Jahr in Mehrbettzimmern verbracht habe. Da sind ein paar südafrikanische Feuerwehrmänner doch mal ein richtiges Highlight!

Am nächsten Tag verabschiede ich mich in Hermanus und will bis nach Witsand (Hermanus – Witsand, 200 Km) fahren, weil es dort einen wunderschönen Kite Spot geben soll. Auf der Fahrt nehme ich aber einen Umweg, um mir das Cape Agulhas anzusehen, den südlichsten Punkt des Afrikanischen Kontinents. Teilweise über holprige Schotterstraßen gelange ich nach über zwei Stunden an den Küstenort L’Agulhas und laufe über einen angelegten Holzsteg einige Zeit an der Küste entlang bis ich zum Cape Agulhas gelange, wo ein großer, gemauerter Sockel den südlichsten Punkt Afrikas und die Trennung zwischen Atlantischem und Indischen Ozean markiert. Im Vorfeld habe ich einige Male gelesen, dass dieser Ort weniger spektakulär als das Kap der guten Hoffnung ist. Das mag sein, weil es im Gegensatz zum Kap keine Steilküste gibt, aber ich finde Cape Agulhas trotzdem wunderschön mit der felsigen Küste und dem traumhaften unendlichen Ozean und es ist im Gegensatz zum Kap der guten Hoffnung überhaupt nicht überlaufen.

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Am südlichsten Punkt des Afrikanischen Kontinents – Cape Agulhas

Gegen Mittag geht es weiter und ich mache unterwegs noch einen Stopp in Swellendam, einem kleinen Ort, der nicht an der Küste, dafür aber vor einer beeindruckenden Bergkette liegt. Nach einer kleinen Stärkung mache ich mich auf den letzten Abschnitt nach Witsand, einem kleinen Küstenort knapp 300 Kilometer östlich von Kapstadt und auf der Garden Route eher unbekannt, dafür bei Kitesurfern umso mehr. Noch bevor ich überhaupt mein Hostel aufsuche, fahre ich zur Flussmündung, um den Kite Spot zu sehen und es verschlägt mir fast die Sprache. In Witsand mündet der Breede River in den Indischen Ozean und es bildet sich eine große Flachwasser Lagune umrahmt vom Ozean, weißen Sanddünen und den grünen Ausläufern vom De Hoop Nature Reserve, was absolut atemberaubend ist. Der Parkplatz liegt etwas erhöht, sodass man einen fantastischen Ausblick über die gesamte Flussmündung hat. Tatsächlich sind einige Kites in der Luft, also bringe ich in Windeseile mein Gepäck ins Hostel Barry’s Backpackers und bin wenig später am Strand, um meinen 12 m² Kite aufzupumpen. Sofort komme ich mit einigen anderen Kitern ins Gespräch, lasse mir ein paar Dinge zum Spot erklären und genieße dann eine wunderschöne Abend Session auf einem traumhaften Kite Spot in Südafrika, besser geht es nicht.

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Mein Lieblingsspot in Südafrika – Witsand am Breede River

Für den nächsten Tag ist super Wind gemeldet, sodass ich mich schon beim Zusammenpacken auf die nächste Session freue. Aber zunächst komme ich erstmal in Ruhe im Hostel an, was für mich eines der Besten auf meiner Reise ist. Im Schlafsaal sind acht Betten, das Badezimmer sowie eine separate Toilette wurden gerade erst komplett modernisiert. Nebenan befindet sich eine schöne große Küche mit gemütlichem Aufenthaltsraum und draußen gibt es einen großen Garten mit Wasch- und Trockenmöglichkeit für das Kite Equipment. Die Gastgeber Helen und Owen sind super nett und ich fühle mich sofort rundum wohl.

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Schlafsaal im Barry’s Backpackers in Witsand

Der 4. Tag meines Roadtrips auf der Garden Route wird tatsächlich ein rundum gelungener Kite Tag. Am Vormittag sieht es noch gar nicht so richtig danach aus, weil es bewölkt ist und regnet. Ich nutze die Zeit für ein paar Dinge am Computer und mache mich am Nachmittag mit den anderen Kitern vom Hostel auf den Weg zum Strand. Der Wind bläst wie versprochen super stark und das erste Mal, seit ich in Südafrika bin, komme ich zu drei tollen langen Kite Sessions an einem Tag. Die super flachen Abschnitte in der Lagune werden zeitweise recht voll, aber es sind alles erfahrene Kitesurfer auf dem Wasser, sodass es auch dann keine Probleme gibt. Mit breitem Grinsen und Glücksgefühl im Bauch geht es erst Abends wieder zurück ins Hostel und zusammen mit einigen anderen Kitern wählen wir eines von nur zwei Restaurants in Witsand und lassen den Abend bei leckeren Fish & Chips im Anchorage Beach Restaurant ausklingen.

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am Kite Spot in Witsand

Am liebsten würde ich noch in Witsand bleiben, will aber natürlich noch mehr von der Garden Route sehen und beschließe, auf dem Rückweg nach Kapstadt nochmal hierher zurück zu kommen. So geht es am fünften Tag weiter Richtung Wilderness und auf der 210 Kilometer langen Strecke mache ich einen kurzen Stopp in der Hafenstadt Mossel Bay, dem offiziellen Start der Garden Route.

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Mossel Bay

Gegen Mittag erreiche ich Wilderness, was seinem Namen alle Ehre macht. Zu meinem gebuchten Hostel muss ich über holprige Schotterstraßen eine ganze Zeit lang bergauf fahren und lande letztendlich mitten im Nirgendwo auf einer weiten grünen Hochebene, wo sich außer dem Hostel The Wild Farm nichts außer Wiesen und Wäldern befindet. Die Aussicht über den Indischen Ozean ist unglaublich, es ist absolut idyllisch hier.

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Ausblick von The Wild Farm – Sonnenuntergang über Wilderness

Ich habe noch den ganzen Nachmittag Zeit, also mache ich mich auf den Weg, um zwei tolle Aussichtspunkte zu erkunden. Zunächst fahre ich zum Aussichtspunkt am sogenannten „Map of Africa“, der sich gar nicht weit weg vom Hostel befindet und einen atemberaubenden Ausblick auf den Wilderness National Park und ins Kaaimans River Valley eröffnet. Die Gegend um Wilderness ist bekannt für ihre große Anzahl an Flüssen, Lagunen und natürlichen Seen und die fantastische Aussicht über die Outeniqua Berge und Wälder ist traumhaft. Die Bezeichnung „Map of Africa“ kommt daher, weil der Flussverlauf in wundersamer Weise die Kontur des Afrikanischen Kontinents hat.

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„Map of Africa“ Aussichtspunkt in Wilderness

Ebenso wunderschön ist der Ausblick zur anderen Seite, wo sich eine große Wiese als Startplatz für Paraglider befindet, die hier wohl exzellente Bedingungen vorfinden und auf dem breiten Sandstrand in Wilderness landen. Danach fahre ich noch zum Aussichtspunkt „Dolphin’s Point“ und genieße tolle Ausblicke über die Flussmündung vom Kaaimans River in den Indischen Ozean und eine beeindruckende ehemalige Eisenbahnbrücke.

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Flussmündung Kaaimans River in Wilderness

Der wunderschöne Nachmittag in Wilderness wird nur noch gekrönt von ein paar entspannten Stunden am herrlichen Strand und endlich kann ich nach Herzenslust im Meer baden, weil der Indische Ozean im Vergleich zum Atlantik wunderbar warm ist, was für ein Genuss!

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am Strand in Wilderness

Am nächsten Tag mache ich mich auf die Weiterfahrt nach Plettenberg Bay (Wilderness – Plettenberg Bay, 80 Km) und checke mitten im Ort ins Albergo Hostel ein. Plettenberg Bay liegt an einer malerischen Bucht und hat an Aktivitäten alles zu bieten, was der Herz begehrt: Wanderungen, Mountain Bike Trails, Wild Life Parks, Kayaking, Canyoning, Surfen, Hochseeangeln, Weingebiete, Tauchspots, etc. Die Möglichkeiten sind endlos. Tatsächlich verbringe ich aber fast den ganzen restlichen Tag im Hostel, weil es in Strömen regnet und sehr kalt ist. So bleibt mir etwas Zeit, eine Unternehmung für den nächsten Tag zu planen und ich entscheide mich für das Robberg Nature Reserve, was sich ca. 8 Km südlich von Plettenberg Bay auf eine Halbinsel befindet, die wie ein ausgestreckter Finger ins offene Meer hinaus ragt. Ich entscheide mich für die vierstündige Wanderung, die die komplette Halbinsel umrundet. Auf der Nordseite der Halbinsel lebt eine riesige Seebärenkolonie, es sind tausende Tiere, die auf den Felsen in der Sonne liegen oder im Wasser ihre Kreise ziehen. Der Wanderweg liegt über 100 Meter über dem Meeresspiegel, trotzdem riecht man die Robben schon von weitem, bevor man sie entdeckt. Als ich sie beobachte, kommt sogar eine Gruppe Delphine vorbei geschwommen. Sobald ich die Hälfte der Strecke absolviert habe, gelange ich auf die Südseite der Halbinsel, wo hohe Wellen auf das felsige Ufer treffen. Auch hier tauchen immer wieder Robben im Wasser auf, die spielerisch durch die Brandung und zwischen den Felsen schwimmen.

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unterwegs im Robberg Nature Reserve in Plettenberg Bay

Ich bin total beeindruckt von der Szenerie, muss immer wieder anhalten und einfach nur zuschauen. Die zweite Hälfte der Wanderung geht nah am Wasser entlang mit viel Kraxelei über die Felsen und immer tollen, weiten Ausblicken entlang der schroffen Küste. Im Nordwesten gibt es dann eine weitere kleine Halbinsel, die von Robberg durch eine seltene geologische Form, dem sogenannten Tombolo abgetrennt wird, ein Dünenstreifen, der eine Insel mit dem Festland verbindet und dadurch zu einer Halbinsel macht.  Der unberührte Naturtraumstrand befindet sich zwischen zwei Buchten, die durch die Wellen des Meeres erzeugt werden. Über einen angelegten Holzsteg kann man auch die kleine Insel begehen und ich kann mich an der Schönheit dieses Ortes gar nicht satt sehen. Erst nach über 5 Stunden bin ich wieder zurück am Parkplatz und fahre danach noch zum Strand, wo ich in der Sonne relaxe und vielen Surfern zuschaue, die hier in der Bucht tolle Bedingungen zum Wellenreiten vorfinden.

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Robberg Nature Reserve mit seltenem Tombolo Strand

Nach der zweiten Nacht in Plettenberg Bay geht es weiter in Richtung Tsitsikamma National Park und nach ca. einer halben Stunde Fahrt mache ich einen Stopp an der 451 Meter langen und 216 Meter hohen Bloukrans Bridge, der höchsten Brücke Afrikas. Wer entlang der Garden Route einen Adrenalin-Kick sucht, kann hier den höchsten Brücken Bungy Sprung der Welt wagen. Über eine Stunde schaue ich zu und schon allein vom Anblick bekomme ich Gänsehaut. Die Brücke ist gewaltig, die Szenerie atemberaubend. Im April 2018 bin ich im Laufe meiner Reise zum allerersten Mal im Leben Fallschirm gesprungen und fand es großartig. Dennoch war ich der Meinung, einen Bungy Sprung niemals zu wagen, weil man den entscheidenden Schritt selbstbestimmt machen muss und nicht im Tandem „mitgezogen“ wird. Schon in Kapstadt und auf der Garden Route traf ich immer wieder Leute, die mir erzählt haben, dass es ein einmaliges Erlebnis ist und ein Muss, wenn man an der Bloukrans Bridge vorbei kommt. Obwohl mir schon beim Gedanken an den Sprung ganz flau im Magen wird, melde ich mich für den nächsten Vormittag an und kann es kaum fassen, dass ich das wirklich machen will.

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die höchste Brücke Afrikas, die 216 Meter hohe Bloukrans Bridge

Ich fahre noch ca. 20 Minuten weiter bis in den kleinen Ort Stormsriver, wo ich für eine Nacht im Tsitsikamma Backpackers einchecke. Am Nachmittag besuche ich den Tsitsikamma National Park und wandere zur langen Hängebrücke über der Stormsriver Flussmündung und zu einem großen Wasserfall direkt an der Küste. Insgesamt bin ich fast fünf Stunden im National Park unterwegs, es gefällt mir sehr gut, aber im Vergleich zum Robberg Nature Reserve in Plettenberg Bay empfinde ich den Tsitsikamma National Park zu überlaufen und mit 235 Rand Eintritt (ca. 15 EUR) auch überteuert.

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Hängebrücke im Tsitsikamma National Park

Die Nacht verbringe ich ganz allein im Schlafsaal und bin natürlich schon zeitig wach, weil sich die Nervosität bemerkbar macht. Ich soll eine Stunde vor der gebuchten Uhrzeit dort sein. Natürlich bin ich überpünktlich, bin schon vor 10 Uhr dort, mein Sprung ist für 11 Uhr gebucht. Ich checke ein, auf dem Handrücken wird Gewicht und die Sprungnummer notiert. Als ich mich anstelle, um meinen Sitzgurt zu bekommen, steht ein deutsches Pärchen neben mir, die schon in ihren Gurten stecken. Unser Betreuer gibt über ein Funkgerät unsere Namen, die Reihenfolge und unser Gewicht an die Kollegen auf der Brücke weiter und plötzlich realisiere ich, dass ich im 10 Uhr Slot springen werde, weil ich so früh dran bin und sonst nicht viele Leute gebucht haben. Ohje, das geht irgendwie alles zu schnell. Im Nu sind wir schon auf dem Weg zur Brücke, bekommen eine Unterweisung, was als nächstes alles passieren wird und dann geht es über eine lange Seilrutsche auf die Brücke. Schon allein das ist spektakulär und aufregend, die Blicke in die Tiefe machen die Aufregung noch schlimmer.

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Mit der Seilrutsche gehts auf die Bloukrans Bridge

Auf der Brücke angekommen, begrüßt uns ein ganzes Team von Mitarbeitern, die sich hier um den absolut reibungslosen Ablauf und um das Wohlbefinden der Springer kümmern. Alles läuft super professionell ab, mit guter Laune und lauter Musik nimmt uns die erfahrene Truppe ein bisschen die Nervosität. Auf meiner Hand steht J2 für „Jumper 2“, das deutsche Pärchen hat J3 und J4 auf den Händen stehen und ich stelle erschrocken fest, dass ich somit die erste sein soll, die springt. Im nächsten Moment kommt aber noch eine Deutsche dazu, die vorgezogen wird, weil ihr Mann mit Baby an der Station wartet und die beiden sich abwechseln. Puh, zum Glück nicht die Erste.

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Noch hab ich gut Lachen …

Meine Mitstreiter sind auch alle ziemlich nervös. Wir alle springen zum ersten Mal, die Aufregung ist jedem anzusehen. Irgendwie ist es verrückt zuzusehen, wie die erste Springerin an den Knöcheln eingebunden wird, von zwei Mitarbeitern an die Absprungstelle getragen wird und nachdem alle Gurte, Seile, Verbindungen etc. noch ein letztes Mal gecheckt worden, springt sie auch schon in die Tiefe und mir bleibt fast die Luft weg. Ein zurück gibt es jetzt nicht mehr und als nächstes bin ich dran. Ich kann mich nicht an viele Momente im Leben erinnern, in denen ich so aufgeregt war. Mein Herz rast, meine Hände schwitzen, tausend Gedanken rasen durch den Kopf.

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Kurz vorm Absprung von der 216 Meter hohen Bloukrans Bridge

Der schlimmste Moment ist, wenn mich die beiden Mitarbeiter an die Kante stellen und ich den beängstigenden Abgrund unter mir sehe. Natürlich habe ich mir vorgenommen, nicht nach unten zu sehen, zuvor wurde uns aber gesagt, dass wir mit den Zehen über der Absprungkante stehen sollen, also sehe ich natürlich kurz nach unten. Das ist einfach unfassbar und verrückt zugleich und mir bleibt fast das Herz stehen. Die beiden Männer stehen hinter mir, zählen nach unten, 3 … 2 … 1 … BUNGY!!!! Ich nehme all meinen Mut zusammen, denke an meine Familie und mache das, was ich mir fest vorgenommen habe, ich springe mit ausgestreckten Armen von der Kante ab und lasse meine Augen offen. Alles passiert innerhalb von Sekunden und ist kaum zu beschreiben. Der Absprung ist tatsächlich das Schlimmste, alles danach ist einfach nur der absolute Wahnsinn. Das Tal unter mir kommt in beängstigender Geschwindigkeit näher, bevor ich sanft vom Seil aufgefangen werde und mir ab diesem Moment die Seele aus dem Leib schreie. Durch die Federung im Seil geht es noch einige Male rauf und wieder runter, bis ich irgendwann ausgependelt bin und mit nichts als Ruhe um mich herum unter der Brücke hänge und versuche, den Moment zu realisieren.

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Bungy Sprung von der Bloukrans Bridge

Nach ein paar Minuten wird ein Mitarbeiter abgeseilt, der mich wieder nach oben holt. Als ich vom Seil gelöst bin und wieder im Absprungbereich stehe, entsteht ein breites Grinsen in meinem Gesicht, was für den Rest des Tages nicht mehr verschwinden will. Es war absolut verrückt, beängstigend und atemberaubend zugleich und ich würde es sofort wieder tun!

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Oberglücklich nach dem Sprung von der Bloukrans Bridge

Am frühen Nachmittag komme ich zurück nach Stormsriver, hole mein Gepäck im Hostel ab und fahre weiter bis nach Jeffreys Bay (Stormsriver – Jeffreys Bay, 100 Km), dem letzten Stopp auf meinem Roadtrip entlang der Garden Route, bevor es wieder zurück nach Kapstadt geht. Ich checke ein im Cristal Cove Guesthouse und bin in einem kleinen 4-Bett Zimmer untergebracht. Alle anderen Gäste sind Surfer, weil Jeffreys Bay ein weltweit bekannter Spot zum Wellenreiten ist. Am Nachmittag mache ich mich auf den Weg um die beiden Flachwasser Kite Spots an der Kabeljous und an der Gamtoos Flussmündung zu erkunden. Beide Spots sind wunderschön, umgeben von weißen Sanddünen, langen Stränden, dem herrlich blauen Indischen Ozean, aber leider ist der Wind zu schwach für eine Kite Session.

Am zweiten Tag in Jeffreys Bay fahre ich zur Papiesfontein Beach Horse Rides Ranch und freue mich auf einen zweistündigen Ausritt zum Gamtoos River, durch die riesigen Sanddünen und entlang vom unendlich langen Strand zurück nach Jeffreys Bay. Mein Guide ist Jan, der seit vielen Jahren auf der Ranch arbeitet und jeden Tag zwei, in der Hauptsaison sogar drei Ausritte am Tag durchführt. Weil wir nur zu zweit sind und ich eine erfahrende Reiterin bin, sind wir zügig unterwegs und besonders auf dem 6 Kilometer langen, breiten Strandabschnitt zurück Richtung Jeffreys Bay fliegen wir im Galopp nur so dahin und es macht unheimlich viel Spaß!

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Horseback Riding am wunderschönen Strand in Jeffreys Bay

Gegen frühen Nachmittag fahre ich wieder zurück und halte nochmal an der Kabeljous Flussmündung, um den Wind zu checken. Richtig vielversprechend ist es leider nicht. Ich überquere die Sandbank zum Meer und bin total beeindruckt von dem wunderschönen Strand. Die Surfstrände direkt im Ortskern von Jeffreys Bay finde ich nicht besonders schön, aber hier, etwas nördlich vom Ort, wo der Kabeljous River ins Meer mündet, ist es einfach herrlich. Keine Menschenseele, unendlich langer, weißer Sandstrand und glasklares, warmes Wasser. Unerwartet befinde ich mich an einem der schönsten Strände meiner Reise und mache einen langen Spaziergang, bevor ich wieder zurück ins Hostel fahre.

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am traumhaften Strand in Jeffreys Bay

Im Hostel lerne ich die Italienerin Giulia kennen, die drei Monate lang zum Surfen in Jeffreys Bay ist. Wir beschließen, am Nachmittag gemeinsam Richtung Süden nach St. Francis Bay zu fahren, wo man sowohl sehr gut Wellenreiten als auch Kitesurfen kann. Leider reicht der Wind zum Kiten nicht aus, aber ich schaue lange beim Surfen zu und relaxe am Strand in St. Francis bevor wir gegen Abend zurück zum Hostel fahren. Bei meinen Überlegungen für die nächsten Tage bin ich hin- und hergerissen, ob ich noch weiter bis nach Port Elizabeth und zum Addo’s Elephant Park fahren soll, weil ich von beidem viel Gutes gehört habe. Letztendlich entscheide ich mich aber dagegen und mache mich am nächsten Tag wieder auf den Rückweg Richtung Kapstadt. Auf der Garden Route gibt es so viel zu entdecken, dass schon jetzt fest steht, dass ich nicht zum letzten Mal hier gewesen bin.

Als ich am nächsten Morgen in Jeffreys Bay aufbreche, regnet es in Strömen, der Himmel ist wolkenverhangen und es ist kalt. Nichts, wie weg. Für die Nacht habe ich noch keine Unterkunft gebucht und fahre zunächst bis ins Nature’s Valley ganz in der Nähe vom Tsitsikamma National Park (Jeffreys Bay – Nature’s Valley, 140 Km). Das Nature’s Valley ist ein Nature Reserve an der Flussmündung des Groot River und bietet tolle Wanderrouten in unberührter Natur. Leider ist das Wetter immer noch total ungemütlich und so fahre ich schweren Herzens weiter. Auch wenn ich die lange Autofahrt etwas scheue, entscheide ich mich, bis nach Witsand zurück zu fahren (Nature’s Valley – Witsand, 320 Km). Zum Glück ist es noch Vormittag, mir bleibt der ganze Tag und bei dem miesen Wetter ist es das Beste, die lange Fahrt einfach hinter mich zu bringen. Unterwegs stoppe ich nochmal kurz in Wilderness, gehe anschließend in George einkaufen, weil es in Witsand nur einen Kiosk gibt und komme am späten Nachmittag gut im Barry’s Backpackers bei Helen & Owen an. Im Schlafsaal ist außer mir nur noch der Holländer Jelmer, mit dem ich mich sofort super verstehe. Er kitet auch und ist momentan ebenfalls auf der Garden Route unterwegs, sodass ich ihm für seine weitere Tour gute Tipps geben kann. Im Hostel ist nun auch ein Volunteer, Ania aus Polen. Sie ist super lustig und zu dritt machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Plötzlich stößt noch die Engländerin Maria dazu, die in Italien lebt und mit ihrem 90-jährigen Ehemann durch Südafrika gereist ist. Leider ist ihr Mann verstorben und nun ist sie allein unterwegs und ich bin beeindruckt von ihren Geschichten, ihrer Lebensfreude und ihrer herzlichen Art. Bevor wir alle gemeinsam zum Essen gehen, fahren wir fast eine Stunde durch die Gegend und beobachten Vögel, die Maria alle mit Namen kennt, weil sie schon viele Male als Volunteer in National Parks gearbeitet hat. Ein spannender, witziger und sehr interessanter Abend, für den sich die lange Fahrt nach Witsand absolut gelohnt hat.

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riesige Straußenfarmen in der Gegend um Witsand

Die letzten vier Tage bevor ich wieder zurück nach Kapstadt fahre, verbringe ich in Witsand. Es hat mir hier so gut gefallen, dass ich noch ein paar Tage in diesem tollen Ort verbringen möchte und der Windforecast für die nächsten Tage ist vielversprechend. Leider reisen sowohl Jelmer als auch Maria nach dem Frühstück ab, aber im Laufe des Tages reist das Paar Alex & Christie mit ihrem 1,5 jährigen Sohn Brody an. Die beiden haben den weltweit erfolgreichsten Youtube Channel für Kitesurf Tutorials aufgebaut: Kite-Surf-College Tutorials and Tricks. Sie leben inzwischen in Noordhoek östlich von Kapstadt und sind fürs Wochenende nach Witsand gekommen, um im Flachwasser neues Videomaterial für die nächsten Tutorials aufzunehmen. Nick, ein junger Engländer, der ebenfalls in Noordhoek lebt, begleitet die beiden als Fotograf und Kameramann. Dabei ist außerdem das kanadische Pärchen Tina & Chris, sehr gute Freunde von Alex & Christie, die für einige Wochen Urlaub in Südafrika machen. Ein super nette und lustige Truppe und ich freue mich über die neue Gesellschaft im Hostel.

Am Nachmittag ist der Wind stark genug für meinen 12 m² Kite und auf dem Spot ist nichts los, sodass ich zu zwei wunderschönen Sessions komme. Am Abend kommen im Hostel noch die beiden Belgier Pieter und Christian dazu, die tatsächlich mit gemieteten Motorrollern von Kapstadt bis hierher gefahren sind. Alle zusammen gehen wir zum Essen in die Pili Pili Beach Bar und tauschen Kite Geschichten aus der ganzen Welt aus, einfach wunderbar!

Der Forecast verspricht richtig starken Wind für den nächsten Tag. Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg zum Strand und tatsächlich bläst es schon wie verrückt. Alex & Nick haben zum Glück schon einiges im Kasten, denn der fliegende Sand macht weitere Aufnahmen bald unmöglich. Ungefähr 20 Minuten fahre ich mit meinem 8 m² Kite bevor ich zum 6er wechseln muss. Am Strand ist es kaum auszuhalten, weil von den großen weißen Sanddünen feiner Sand herunter geblasen wird. Mit dem 6 m² Kite gehe ich am Nachmittag noch zwei Mal aufs Wasser und überlasse ihn zwischendurch Pieter, der auf dem Motorroller nur seinen 10 m² Schirm mitnehmen konnte, der natürlich zu groß ist. Am späten Nachmittag packen so gut wie alle Kiter zusammen, weil es kaum noch auszuhalten ist, das ist für mich der stärkste Wind, seit ich in Südafrika bin.

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Über 30 Knoten am Kite Spot in Witsand

Am nächsten Morgen sind Alex, Nick & ich schon um 5 Uhr auf den Beinen. Der Plan ist eine Sonnenaufgangs Session, aber leider ist der Wind noch zu schwach. Im Laufe des Vormittags wird es etwas besser, reicht aber gerade so, um Alex‘ 15 m² Duotone Rebel zu fliegen. Ich helfe den beiden ein bisschen bei den letzten Aufnahmen und als der Wind stark genug ist, leiht mir Alex seinen großen Kite und ich komme zumindest noch zu einer kurzen Session auf dem wunderschönen Spot in Witsand und Nick macht sogar noch ein paar tolle Fotos!

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Kite Session mit Alex‘ Duotone Equipment in Witsand

Es fällt mir schwer, mich von Witsand zu verabschieden. Nachdem ich im Hostel meine Sachen zusammen gepackt habe, hole ich Nick am Kite Spot ab, weil Alex & Christie mich gebeten haben, ihn mit zurück nach Kapstadt zu nehmen. Auf dem Parkplatz muss ich noch ein paar Minuten auf ihn warten und genieße die letzten Ausblicke über diesen traumhaften Ort, den ich zu meinen absoluten Lieblingsplätzen während meiner Reise zähle.

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letzte Ausblicke genießen in Witsand

Ich bin froh, dass ich auf den knapp 300 Kilometern zurück nach Kapstadt nicht allein im Auto bin, denn nach Hermanus gibt es ein riesiges Buschfeuer und die Schnellstraße ist gesperrt. Wir müssen die Küstenstraße Clarence Drive über Betty’s Bay und Pringle Bay nehmen, die wunderschön ist, aber natürlich dauert es ewig lang und erst nach 8 Stunden komme ich in Blouberg an und checke im @ROSIE’S ein, was sich schon ein bisschen wie heimkommen anfühlt.

Die Garden Route ist eine Reise wert! Ich werde wiederkommen und all die Plätze besuchen, die ich dieses Mal noch nicht gesehen habe. Südafrika ist traumhaft schön, die Landschaft ist abwechslungsreich und beeindruckend. Auch allein habe ich mich unterwegs sicher gefühlt und konnte die zwei Wochen in vollen Zügen genießen. Drei Wochen verbleiben mir in diesem tollen Land und zunächst wartet ein sportliches Ereignis der Superlative in Kapstadt.

 

 

 

3 Kommentare zu „Unterwegs auf der Garden Route in Südafrika

  1. Rosi Häßelbarth 30. Januar 2019 — 16:53

    Ein gelungener „Fast-Abschluss“ Deiner Reise, einfach wunderbar 🤩

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  2. Martina Bochmann 31. Januar 2019 — 10:32

    Toll, Romy! Die tollsten Fotos! Da möcht ich auch hin (Hüpfen will ich aber nicht). Und Du bist eine echt fesche und lässige Surfer-Braut!!! :O)

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Romy,

    Vielen Dank einmal wieder für Deinen tollen Bericht. Ich fieber immer mit Dir! Lass es Dir die letzte Zeit gut gehen… wann genau kommst Du zurück nach München?

    Viele liebe Grüße, bis bald hoffentlich,

    Britta

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