Ein Freudenschrei auf Korsika

Eigentlich dachte ich, nach einer Weltreise kann mich keine Reisevorbereitung mehr aus der Ruhe bringen, aber weit gefehlt. Ich weiß gar nicht, wie Patrick meine Nervosität in den letzten Tagen vor unserer Abreise ausgehalten hat. Ich habe kaum noch geschlafen, so viele Dinge gingen mir pausenlos durch den Kopf. Und das trotz detaillierter Packliste und To-Do-Liste für alle letzten Erledigungen. Aber wahrscheinlich war es gar nicht das, was mich so nervös gemacht hat, sondern einfach die Ungewissheit, ob in Zeiten einer Pandemie, wo das Reisen mit zahlreichen Hürden verbunden ist, alles gut gehen würde. Täglich checkte ich die aktuellen Reiseinfos für Frankreich und Italien auf der Webseite vom Auswärtigen Amt, verfolgt Reiseberichte von anderen Campern in diversen Facebook Gruppen, etc. Wir hielten an unseren Plänen für Korsika und Sardinien fest und die Vorfreude stieg von Tag zu Tag. Für die Durchreise in Österreich und Italien besorgten wir uns zwei Tage vor Abreise einen COVID-Antigen-Test, das negative Ergebnis lies uns natürlich aufatmen. Etwas komplizierter wurde es mit dem PCR-Test, den wir für die Fährfahrt nach Korsika benötigten. Denn das negative Testergebnis darf bei Überfahrt max. 72 Stunden alt sein (ab Entnahme der Speichelprobe) und zwischen uns und dem Hafen in Livorno liegen immerhin 700 Kilometer, die wir mit Baby erst einmal hinter uns bringen müssen. Das bedeutet, am 17. Mai, unserem Abreisetag, ließen wir uns testen und fuhren los Richtung Gardasee, im Hinterkopf immer die Hoffnung, dass das Testergebnis hoffentlich negativ sein wird.

Am 17. Mai starten wir mit unserem Wohnwagen Richtung Gardasee.

Unsere Fahrt bis nach Malcesine am Ostufer des Gardasees lief völlig problemlos. An der Grenze zu Österreich wurden wir lediglich gefragt, wohin die Reise geht und dann direkt durchgewunken. Den Brenner passierten wir ohne jegliche Verzögerung, an der Grenze zu Italien gab es nicht mal eine Kontrolle. Die erste große Sorge fiel somit endlich von uns ab. Knapp 1,5 Stunden vor unserem Ziel machten wir eine Pause, um Leon zu füttern. Sehr komfortabel, wenn man ein gemütliches Bett dabei hat, wo sich der kleine Mann dann erstmal in Ruhe ausstrecken und spielen kann, einfach toll! Die restliche Strecke verflog im Nu und nach etwas über 5 Stunden Fahrtzeit rollten wir am Campingplatz Tonini in Malcesine über die Einfahrt, ein tolles Gefühl!

Am 17. Mai kommen wir nach einer problemlosen Fahrt am Gardasee an.

Dank Mover (lenkt den Wohnwagen mittels Fernbedienung) stand unser Wohnwagen in wenigen Minuten auf einem tollen Stellplatz mit wunderbarer Aussicht auf den Gardasee und Leon bekam seinen Abendbrei zum ersten Mal im Hochstuhl mit richtigem Sitz. Zuhause haben wir bislang noch eine Babyschale im Hochstuhl benutzt, wo er eher liegt, als sitzt. Für die Elternzeitreise haben wir uns den leichten und praktischen IKEA Hochstuhl besorgt, der fürs Camping perfekt ist. Und weil Leon, als hätten wir es geplant, tatsächlich seit wenigen Wochen von alleine sitzen kann, ist es nun endlich soweit und er ist total begeistert. Mama und Papa sowieso!

An unserem Stellplatz auf dem Campingplatz Tonini in Malcesine mit Traumlage direkt am See.

Auch das Zubett bringen läuft unerwartet gut und Leon schlummert zum ersten Mal im Wohnwagen Stockbett. Wir genießen noch das erste Grillen dieser Reise und sind unbeschreiblich froh, hier zu sein. Die Last der letzten Tage wird spürbar leichter.

Die erste Nacht ist noch etwas durchwachsen, Leon schläft irgendwann zwischen uns im großen Bett, mal sehen, ob das jetzt die ganze Reise so bleibt. Aber wir haben vollstes Verständnis, dass das einfach alles neu und ungewohnt für ihn ist und wollen ihm alle Zeit lassen, sich an die neue Schlafsituation zu gewöhnen. Am Morgen atmen wir erleichtert auf, als wir das negative Ergebnis vom PCR-Test erhalten.

Der erste Tag hätte gar nicht schöner sein können. Die Sonne scheint den ganzen Tag, wir genießen die Wärme, die Ausblicke auf den wunderschönen Gardasee und die Ruhe, was hier definitiv außergewöhnlich ist. Ja, eine Pandemie hat auch ihre Vorteile. Wir radeln mit Leon zum Strand in Campagnola. Er erkundet jeden Stein und natürlich wird auch „angebadet“, wenn auch nur mit dem großen Fußzeh. Leon liebt das Draußensein, er beobachtet alles, erkundet jeden Grashalm und strahlt uns an, als würde er sagen wollen, „Toll, dass ihr mir das alles zeigt“. Wir sind absolut glücklich!

Kleiner Entdecker am Strand von Campagnola am Gardasee.

Natürlich darf auch ein Eis in Malcesine nicht fehlen. Am Abend kündigt sich eine Regenfront an. Zum Glück schaffen wir es rechtzeitig, ganz in Ruhe zu grillen und den Wohnwagen schon auf unsere Abreise am nächsten Morgen vorzubereiten.

Leckeres Eis in Malcesine.

Am 19. Mai starten wir zeitig am Morgen und verlassen Malcesine. Wir setzen unsere Fahrt nach Livorno fort, wo wir um 14 Uhr auf die Fähre nach Bastia wollen. Die Fahrt läuft bis auf eine seltsame Begegnung mit einem Italiener, der auf der Autobahn angeblich mit dem Seitenspiegel unseren Wohnwagen touchiert hat, reibungslos. Den Italiener schütteln wir ab und nach kurzer Suche in Livorno finden wir auch rechtzeitig die Ablegestelle der Pascal Lota, unserer Fähre nach Korsika.

Mit corsica ferries setzen wir von Livorno nach Bastia über.

Es dauert noch eine ganze Weile, bis alle Autos und Lkw auf die Fähre dürfen. Und wir sind auch noch die aller letzten, die das Zeichen zur Einschiffung bekommen. Puh, das dauert und ist ganz schön nervenaufreibend. Letztendlich klappt alles, Leon ist ganz tapfer und Patrick manövriert unser Gespann heil auf das große Schiff.

Tatsächlich ist unser Gespann das Einzige auf der riesigen Fähre.

Die 4,5 stündige Fährfahrt vergeht recht schnell. Zum Glück haben wir uns bei der Buchung für eine Kabine entschieden, sodass wir uns einige Zeit zurück ziehen können und Leon eine Weile schläft. Als Korsika endlich in Sicht kommt, gehen wir nochmal an Deck und sind froh, dass es bald geschafft ist. Inzwischen sind wir seit fast 12 Stunden unterwegs und sehnen uns nach einem Abendessen und dem Bett. Leon ist tapfer und macht das alles ganz klasse, wir sind unheimlich stolz auf den kleinen Kerl. Es dauert noch eine ganze Weile, bis wir endlich von der Fähre fahren dürfen, was mit dem Wohnwagen kein ganz leichtes Unterfangen ist, aber alles geht gut und wir machen uns auf den Weg zum nur 15 Minuten entfernten Campingplatz San Damiano in Biguglia.

Am Abend des 19. Mai kommen wir nach ca. 13 Stunden Reise endlich am ersten Campingplatz auf Korsika an.

Der Campingplatz San Damiano liegt direkt am Meer und ist so gut wie leer. Wir suchen uns einen traumhaften Stellplatz direkt in erster Reihe aus, platzieren den Wohnwagen und dann geht es endlich mit Leon ans Meer. Er staunt über die rauschenden Wellen und wir können es kaum fassen, endlich hier zu sein, das Freiheitsgefühl ist unbeschreiblich! Trotz Müdigkeit sind wir einfach nur überwältigt. Es ist geschafft, wir sind auf Korsika! Leon schläft erschöpft ein und Patrick holt uns eine super leckere Pizza, die wir bei herrlichem Blick auf das abendliche Bastia verspeisen. Lange halten wir es nicht mehr aus und fallen auch bald ins Bett, in freudiger Erwartung, was wir in den ersten Tagen auf Korsika alles erleben werden.

Mit Leon zum allerersten Mal am Meer.

1 Kommentar zu „Ein Freudenschrei auf Korsika

  1. Martina Bochmann 25. Mai 2021 — 9:34

    Toll!! Und so süß ist der Leon!!!!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close